Donnerstag, 12. Januar 2017

Die Kirche hat Angst vor den eigenen Dogmen und bietet deshalb nur Wohlfühl-Christentum, erklärt Prof. Dr. Norbert Bolz

Irgendwo habe ich gelesen, er sei ein "Hobby-Theologe", aber das war nicht abwertend gemeint. Die Rede ist von Prof. Dr. Norbert Bolz, Medienwissenschaftler an der TU Berlin, und der redet gerne Klartext. Ein paar Beispiele gibt's ---> HIER und HIER und HIER und Video HIER!
Der "Hobby-Theologe" hat auch Eindring-
liches zum Thema Kirche formuliert, auf das vor gut einem Jahr der Blogger und Dozent Ron Kubsch in seinem "TheoBlog" hinwies; man schaue ---> HIER und den kompletten kirchenkritischen Text "Gnadenlose Neu-
zeit"
als pdf-Datei ---> HIER !
Das macht schon sehr nachdenklich, finde ich, wenn er vom sentimentalen und "winselnden Tonfall" in der (evangelischen) Kirche schreibt, die ein "Wohlfühlchristentum" bei Laune zu halten hat. Und deshalb existierte jetzt eine "Schwundstufe  eines Christentums, das nicht mehr in seinem Wahrheitsanspruch, sondern nur noch wegen seiner ethisch und politisch stabilisierenden Funktion ernst genommen wird..." - Das hat gesessen! 

Kommentare:

  1. Das gilt für die evangelische wie die katholische
    Kirche gleichermaßen; bestes Beispiel war die
    Verleugnung des Kreuzes durch Kardinal Marx und
    seinen evangelischen Begleiter beim Besuch in Jeru-
    salem, weil die Gastgeber das (angeblich) erwarteten.
    Das Elend der Theologie und Kirche ist nicht
    beim betenden Fußvolk beheimatet, sondern der Fisch
    stinkt vom Kopf her, wie unsere Vorfahren schon wussten.

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  2. Dummes Geschwätz! Die Dogmen interessieren einen Toten. Der Glaube rettet. Und was, wenn nicht Wohlfühlchristentum war das Reich Gottes, das Jesus gelebt und angeboten hat. Lahme gehen, Blinde sehen etc. Dein laube hat dich gerettet, Dogmen können das nicht.

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    1. +1

      Das Papst warnt immer vor "ideologischem Glauben".

      Das ist genau damit gemeint.

      Dogmen sind an sich nicht schlecht, soweit sie etwas stammelnd und kryptisch versuchen, die Wahrheit über Jesus in Worte zu fassen. Solange man das im Hinterkopf behält und nicht das Dogma anbetet, sondern Jesus Christus, sind sie also durchaus sinnvoll.

      Wenn man Dogmen dagegen zur starren Richtschnur des Denkens macht und als eine Art Parteilinie begreift, von der man nicht "abweichen" darf, werden sie austauschbar (man kann dann genausogut KP-Kommunist oder Katholik sein, muss nur fest an die entsprechenden Parteidogmen "glauben").

      Diese Linientreue führt von Jesus aber ganz weg, denn er war ja alles mögliche, aber nicht linientreu im Sinne des Gesetzes.

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  3. Der Text von Prof. Bolz ist ein Volltreffer!
    Ich habe den Link sofort weitergereicht,
    wobei die Schilderung ebenso auf die katholische
    Kirche zutrifft, auch wenn dort "evangelisch" steht.
    Beeindruckt hat mich auch, dass er Nietzsche zitiert,
    der schon erkannt hat:
    "Je mehr man sich von den Dogmen loslöste, um so mehr
    suchte man gleichsam die Rechtfertigung dieser Los-
    lösung in einem Culturs der Menschenliebe", und "Das
    goldene Kalb, um das heute getanzt wird, ist der Götze
    Mensch".
    Und genau dieses goldenen Kalb verehrt auch unser
    Papst Franziskus.

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    1. Nein, das tut unser Papst nicht - bloss weil er sich für die erniedrigten und gedemütigten Menschen einsetzt. Ihre Kritik empfinde ich als unterirdisch.

      Und dass Sie mit Nietzsche den wichtigsten geistigen Vorläufer, ja Wegbereiter der menschenverachtenden Nazi-Weltanschauung und den selbsternannten Vordenker des "Neuen Übermenschen" positiv gegen Papst Franziskus in Stellung bringen, lässt nur noch den Kopf schütteln.

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    2. +2

      Ist ja nun gerade der Kern des Christentums, dass wir den Menschen anbeten anstelle von Gott. Gerade das werfen uns andere Religionen ja vor. Jesus als "Götze Mensch" zu diffamieren, ist krass antichristlich. Da kann man Protestant oder Katholik sein, Christ ist man damit bestimmt nicht mehr.

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    3. Es ist in gewisser Weise nicht alles falsch, was da gesagt wird. Unser höchstes Ideal darf nicht der Mensch in all seiner Ambivalenz sein, sondern die Menschlichkeit als solche.

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    4. Unser höchstes Ideal ist der Mensch in seiner höchsten Inkarnation, Ecce homo, unser Herr und Gott. Also Jesus Christus.

      Für frzk. Christen wie mich oder den Papst kommt gleich danach noch Franz von Assisi, der zweite Christus, Inhaber von Luzifers Engelthron und damit der erste und einzige „Übermensch“ in der Kirche. Das ist aber frzk. Insiderwissen und nicht jedermann zugänglich, schon gar nicht Protestanten (Luther tobte, als er das las).

      Nietzsches „Übermensch“ gehört nicht zum christlichen Menschenideal. Mit oder ohne Geheimwissen.

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    5. @Jorge: Ich stelle mir vor, daß Deine Idee von "Jesus Christus" mit einer hohen Menschlichkeit verbunden ist, anders als bei den Wahrheitsbesitzerchristen.
      Ich selber glaube allerdings grundsätzlich nicht an Götter, Geister und Gespenster, oder, wie ich es scherzhafter ausdrücke, an unsichtbare Männekens im Weltall. Besser erscheint mir für Gott der Begriff "die absolut liebende personale Gegenüberhaftigkeit als solche".
      LG

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    6. Im christlichen Verständnis ist Jesus Christus der Stammvater eines neuen Geschlechts, also der Mensch, so wie er sein soll. Bei ihm kann man sich anhören und abgucken, wie Menschlichkeit geht und wie sie am besten realisiert wird. Da er gleichzeitig auch Gott ist, kann man ihn sogar anbeten, das ist gewissermaßen ein added value oder Zusatzbonus für Christgläubige.

      Das Schöne am Christentum ist ja genau dies, dass man Gott nicht mehr im Himmel suchen oder irgendwelche unsichtbaren Mächte anbeten muss, sondern ihn gleich hier auf der Erde betrachten kann. Wenn man Katholik ist, geht das sogar noch besser, weil er vermittelt durch die Eucharistie sogar metageschichtlich zur Verfügung steht und sich anfassen lässt.

      Das Christentum und speziell der Katholizismus hätten also durchaus das Zeug dazu, sich zur posttheistischen Religion weiterzuentwickeln, die auch für Nichttheisten interessant sein könnte, von denen es ja immer mehr gibt. Das wäre erfolgversprechender (und natürlich auch menschlicher) als Prof. Bolz Vorstellungen, die auf eine Salafisierung des Christentums hinauslaufen würden.
      Beides ist aber realistisch, also sowohl die fundamentalistische als auch die menschliche Version des Christentums sind gut denkbar und könnten kommen.

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  4. Wir haben alles Mögliche im Blick,
    sodass Spötter schon davon sprechen, die
    katholische Kirche sei unter Franziskus zur
    Umwelt-Religion geworden.
    Barmherzigkeit hinten, Barmherzigkeit vorne,
    Barmherzigkeit überall.
    Nur Gott hat man offenbar sicherhheitshalber
    draußen vor der Tür gelassen.

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    1. Mehr Gottesdienst als barmherziges Handeln gibt es gar nicht.

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