Donnerstag, 19. Januar 2017

"Enthüllungsbuch" über Missbrauch und Unzucht in der Kirche - als Einschlafhilfe?

Meine Leser wussten es schon vor 10 Tagen: Der italienische "Enthüllungsjournalist" Emiliano Fittipaldi hat ein neues Buch herausgebracht,
in dem er sich dem Sex in der Kirche widmet ---> HIER !

Seit zwei, drei Tagen ist der Aufreger auch in den Main-
stream-Medien angekommen. Ich vermute mal, es ist so wie fast immer bei den Journalisten:
Alle schreiben drüber
(einfache Übernahme eines Textes der Nach-
richtenagentur), aber keiner hat das Buch wirklich gelesen (ich auch nicht, und dabei wird es auch bleiben).
Jedenfalls gibt es gleich schon mal mathematische Probleme, denn dort heißt es, der Vatikan habe "unzählige  Missbrauchsskandale" gedeckt. 

Wenn das dermaßen viele sind, dann sollte es dem Autor doch eigentlich sehr leicht fallen, mal ein paar hundert davon mit harten Fakten vorzu-
stellen. Doch da stellt sich (zumindest nach Durchsicht der Pressemel-
dungen)
eine überraschende Bescheidenheit des Autors ein, nur ganz wenige Fälle kann er präsentieren, und dabei bleibt er zumindest nach
den Quellen, die mir vorliegen, ziemlich nebulös.

Da wundert es mich nicht unbedingt, wenn aus dem Vatikan eine Be-
merkung kommt, die kurz und knapp ausfällt: Es handele sich um ein "schlechtes und veraltetes Stück Journalismus", erfährt man z.B. aus
dem Sekretariat von Kardinal Pell.

Papst Franziskus seien mehr als 1.200 "glaubhafte" Fälle von Kindes-
missbrauch gemeldet worden, aber das werde alles geheim gehalten
und vertuscht.

Vielleicht würde statt "Enthüllungsjournalist" das Wort "Sensations-
journalist" besser passen?

Man schaue auch mal ---> HIER und HIER und HIER und HIER
und HIER !

Kommentare:

  1. Man kann solche Bücher wohl am ehesten
    unter "Yellowpress" zusammenfassen.
    Viele Andeutungen, noch mehr Behauptungen,
    und meistens handelt es sich um eine Interpre-
    tationssache - Fittipaldi sagt, der Vatikan ver-
    heimlicht, und der Vatikan sagt, es gibt für
    das Opfer und bis zur erwiesenen Schuld auch für
    den "Täter" das Recht darauf, nicht persönlich
    durch den Kakao der Presse gezogen zu werden,
    also Persönlichkeitsrechte.
    Schon Papst Benedikt hat über 400 Priester suspen-
    diert, wie jeder außer Fittipaldi weiß.

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  2. Man muss solche Leute nicht zwangsläufig ernst
    nehmen, die ihr Geld damit verdienen, über Skandale
    und auch über nicht vorhandene Skandale zu schreiben.
    Fittipaldi gehört übrigens zu denen, die wegen Vati-
    leaks vor Gericht standen...

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  3. Nachrichtenagentur "kathpress"
    scheint das Buch gelesen zu haben.
    Zitate:
    "Das rund 200-seitige Werk... enthält keine spektaku-
    lären Neuigkeiten oder Überraschungen. Der Redakteur
    ... stützt sich... auf bereits bekannte Informationen."
    und:
    "Die Vorwürfe sind bekannt, die Beschuldigten bestreiten
    sie, ein abschließendes Urteil aus der Ferne fällt
    schwer, es bleibt ein unguter Beigeschmack."

    http://www.kathpress.at/goto/meldung/1462802/missbrauch-kamen-vom-papst-tatsaechlich-nur-lippenbekenntnisse

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  4. Wer Fittipaldi glaubt, ist selber schuld.
    Der Leiter des Kinderschutzzentrums,
    das auch kritisiert wird in dem Buch:
    "Fittipaldis Einlassungen wimmelten von Fehlern,
    Ungenauigkeiten und Vermutungen". (Hans Zollner SJ)

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