Sonntag, 15. Januar 2017

Maltas Bischöfe, das Gewissen und der Kommunion-Empfang: Werden die Tarife immer günstiger?

Verstehe ich das richtig? - Lehren Maltas Bischöfe, dass wiederverheiratete Geschie-
dene, wenn sie sich mit ihrem Gewissen diesbezüglich im Reinen fühlen ("im Frieden mit Gott"), zur Kommunion gehen und auch Taufpaten sein dürfen? Ist das wirklich im Sinne von Papst Franziskus? 

Ich gestehe, erst einmal fühle ich mich etwas überfordert, zumal ich das Original-Dokument nur in englischer Übersetzung kenne.
Im Internet gibt es jedenfalls (neben anderen) auch erste Reaktionen, die schreiben, hier werde eine neue Irrlehre verbreitet. Oder ist doch alles im grünen Bereich?

Man schaue ---> HIER und HIER und zur Erinnerung pdf HIER und das Original-Dokument (englisch/pdf) ---> HIER !

Kommentare:

  1. Sorry, aber das läuft trotz vieler Worte
    schlicht auf eines hinaus:
    Das Gewissen des Einzelnen ist die einzige
    Instanz, und da dieses oft genug gar nicht
    die Lust verspürt, die Lehre der Kirche zu er-
    forschen (das könnte schließlich unangenehm
    werden), werden in der Praxis nun alle wieder-
    verheiratet Geschiedenen die Kommunion empfangen.
    Ich vergleiche das mal mit der Abtreibung:
    Auch da sagen sogar Katholikinnen, sie könnten
    es mit ihrem Gewissen vereinbaren, das Kind abzu-
    treiben.
    Und was mein eigenes Gewissen betrifft,
    das sagt mir gerade, dass diese Bischöfe auf dem
    besten Wege sind, den katholischen Glauben zu
    verraten.

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  2. Das ist doch der Sinn der ganzen Sache: Man sucht sich ein paar tränenreiche Einzelfälle aus, schafft dafür barmherzige Sonderregelungen und hebelt am Ende das ganze Recht aus.

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  3. Einen Vorgeschmack auf das, was kommen wird,
    liefert gerade "katholisch.de", immerhin das
    offizielle Organ im Auftrage der Deutschen
    Bischöfe.
    Schlagzeile:
    "Malta: Wiederverheiratete können zur Kommunion"

    http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/malta-wiederverheiratete-konnen-zur-kommunion

    Falls es noch eines Beweises bedarf, worauf das
    Bischofswort hinausläuft - da haben wir ihn...

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  4. Das ist endlich wirkliche Seelsorge,
    wenn der Einzelne entscheidet, was gut für ihn ist,
    unterstützt und beraten vom Ortsgeistlichen!
    Wer kann schon in die Köpfe hineinschauen und be-
    urteilen, das muss schon jeder selbst vor seinem
    Gewissen verantworten.
    Gratulation den mutigen Bischöfen von Malta!

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  5. Es wird keine Ruhe einkehren,
    und die Gefahr der Kirchenspaltung ist real!
    Kardinal Caffarra macht den Papst
    dafür verantwortlich:

    http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/caffarra-bischofe-sind-gespalten

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    1. Caffarra sollte seine logischen Schlüsse überprüfen. Er denkt nur an Sex.

      Wenn Personen in einer kirchenrechtlich illegalen Beziehung Sakramente empfangen könnten, ohne sich zuvor zu sexueller Enthaltsamkeit zu verpflichten, müsse man "auch lehren, dass Ehebruch nicht an und für sich schlecht ist". Dies sei "eine einfache Frage der Logik"

      Das stimmt.
      Die Richtigkeit einer Logik hängt aber davon ab, korrekte Voraussetzungen anzunehmen und Begriffe richtig zu definieren. Sonst kommt unlogisches Zeug dabei heraus. Wenn man zuviel an Sex denkt, leidet die Logik manchmal.

      "Ehebruch" ist eine Sünde. Das ist wie Caffarra sagt an sich schlecht.
      Nur ist es manchmal Fakt.
      Dann kommt es zur Trennung und danach gibt es eben manchmal auch irreguläre Verbindungen oder Zweitehen.

      Die "Zweitehe" ist nur dann eine Sünde, wenn man sie mit "Ehebruch" gleichsetzt.

      Das kann man mal machen, aber nicht für immer und nicht ohne Aussicht auf Vergebung und Neubeginn.
      Sünden ohne Aussicht auf Vergebung und Neubeginn gibt es für die Kirche nicht.
      Sünden, die nur unter unrealistischen und unlogischen Auflagen vergeben werden (etwa dem geliebten Lebenspartner nicht treu zu sein, sondern ihn zu verlassen, oder keinen Sexualverkehr mehr mit ihm zu pflegen), gibt es auch nicht.
      Die Kirche ist kein Sadomasoclub, wo man sich am Schmerz (anderer) aufgeilt.
      Das wäre auch unlogisch.
      Das müsste Caffarra einsehen. Wenn er nicht nur an Sex denkt.

      Eine Zweitehe ist vor allem dann nicht nicht dasselbe wie Ehebruch, wenn die Kirche den Betreffenden den Ehebruch in der Beichte vergibt und den Neuanfang mit einem neuen Partner erlaubt.
      Die Zweitehe ist dann weder Ehebruch noch Sünde. Deshalb haben die Leute ja auch ein gutes Gewissen.

      Egal ob man Sex mit dem neuen Partner hat, sonst wäre es ja auch keine Zweitehe. Das ist das einzige Neue, was JPII und Robert Spaemann in FC übersehen hatten. Weil sie nur an Sex dachten. "Ehebruch" bleibt logischerweise an und für sich schlecht. Auch in der Zweitehe ist kein Ehebruch erlaubt.

      Es ist schlicht eine Ausnahme von der Regel, weil es in der Ehe mehr gibt als Sex.
      Ganz einfach eigentlich. Wenn man nicht nur an Sex denkt.

      Dass die Kirche solche Ausnahmen durchaus gewähren kann, hat der Theologe G.L.Müller 1995 klargestellt.
      http://kreuzknappe.blogspot.de/2015/09/familiensynode-hat-papst-franziskus-den.html?showComment=1442223555061#c773509985299858813

      Trifft die Sache meines Erachtens immer noch gut.
      Auch wenn er das selber mittlerweile anders formuliert.
      Heute sagt er einfach: keine Gefahr für den Glauben.
      Wenn man nicht nur an Sex denkt.

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    2. In bewährter Manier verschleiert Jorge
      mal wieder.
      Seit wann vergibt die Kirche denn einem
      Sünder, Jorge, wenn dieser hartnäckig auf dem
      Weiterleben in Sünde besteht?
      Davon habe ich jedenfalls noch nichts gehört!
      Wenn also jemand in kirchenrechtlich noch
      gültiger erster Ehe eine "zweite" Ehe eingeht,
      dann ist das Ehebruch,
      auch wenn man möglichst wortreich davon abzulenken
      versucht.
      Wenn in der Beichte erklärt wird, dass man
      aber weiter im Ehebruch leben will,
      dann kann die Sünde nicht vergeben werden!

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    3. Naja, das ist jetzt wieder die verkehrte Logik, die die Sünde juridisch definiert und bloß am Sex festmacht. Davon löst sich doch der Papst endlich. Nur Carraffa halt nicht.

      Die Sünde besteht doch nicht darin, dass du Sex mit dem Partner hast. Was soll daran Sünde sein, mit seinem fixen Geschlechtspartner zu verkehren? Das ist schon naturrechtlich Unfug, Sex ist natürlicherweise nichts Verbotenes oder Schlechtes, sondern zwischen Ehepartnern richtig und notwendig.
      Wenn Johannes Paul II. also erlaubt, dass du anstelle von deinem verlorenen Ehepartner mit einer kirchlich nichtangetrauten Frau wie Bruder und Schwester zusammenleben darfst, dann darf dir Franz auch erlauben, ganz normal mit ihr zusammenzuleben, weil das sittlich sowieso besser und gesünder ist als der Krampf mit dem Sexentzug.
      An der fortbestehenden "Untreue" gegenüber der ersten Frau, die du verlassen hast, ändert das doch nichts. "Weiterleben in Sünde" ist es so oder so. Mit der Sünde musst du leben, ob du (zivil) neu heiratest oder nicht.
      Die Sünde, dass dir die Ehe zerbrach, lässt sich halt nicht wegwischen und normalerweise auch nicht heilen, etwa indem eine Wiederversöhnung mit der ersten Gattin stattfindet. Sowas kann es geben, im Normalfall aber eben nicht. Du kannst nicht jeden als „Dauerehebrecher“ und „Sünder“ hinstellen und sogar von der Beichte ausschließen, bei dem das nicht klappt.

      Der muss das halt beichten, wenn er bereut, und gut ist.

      Die Sünde besteht im *Ehebruch*.
      Der betrifft die erste, zerstörte Ehe.
      Das ist schlimm, aber kann natürlich trotzdem vergeben werden, soweit da etwas Schuldhaftes war, was sich nicht wieder gutmachen lässt.

      Es wäre doch eine viel größere Sünde, wenn du jetzt die zweite Frau wieder verlässt und nochmal neu untreu wirst. Oder wenn du das Sexleben zwischen euch zerstörst. Das ist sittlich betrachtet vollkommener Quatsch und nur die unlogische Konsequenz dieser Sexualbesessenheit in der Sündenbetrachtung.

      Man muss halt verstehen, dass es keinen weiteren Ehebruch mehr gibt, egal ob die spätere, irreguläre Beziehung nun sexuell aktiv oder inaktiv geführt wird.

      Mehrfachen Ehebruch hintereinander gabs zu Jesu Zeiten ja auch nicht. Ehebruch war auch da immer nur der eine Akt, der die Ehe zerstört. Über Geschlechtsverkehr zwischen Wiederverheirateten redet das NT nicht (die Kirchenväter auch nicht).



      Normalerweise müsste es unmittelbar einleuchten, dass ein Wiederverheirateter kein böserer Mensch ist als jeder andere und darum natürlich auch beichten und zur Kommunion gehen darf. Eigentlich braucht man dafür keine Worte. Aber bei „Tradis“ ist eben manches anders.

      Die vielen Worte machen mir nichts aus, das ist ein Gefallen, den ich euch tue, damit’s der Tradi endlich auch mal begreift. Das ist etwas peinlich, mir aber mittlerweile egal, ich versuchs halt immer wieder, weil es vielleicht immer mal den einen oder anderen überzeugt, wenn man es etwas ausführlicher erklärt.

      Du siehst ja, dass man mit der kurzen immer gleichen immer simplen Leier vom „Dauerehebruch“ die sittliche Realität auch nicht erfasst. Dann darfs auch mal etwas mehr sein.
      Ich habe nichts davon, dass ich jahrelang dieselbe Leier erklären muss, mir ist diese Frage eigentlich ziemlich egal. (Nicht dass einer denkt, ich würde mich scheiden lassen :-)

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  6. In letzter Konsequenz heißt das aber
    dann doch wohl, dass ich keine Kirche brauche,
    denn ich kann das mit meinem Gewissen ausmachen.
    Oder?

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    1. Diese Position nehmen Sie doch jetzt schon ein. Sie stellen die Lehre des Papstes unter den Vorbehalt Ihres Gewissens.

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  7. Wozu hat die katholische Kirche eigentlich einen Papst, wenn jeder Kardinal meint, er dürfe alles besser wissen.

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  8. Tja, so sieht das aus, wenn man den Weg Jesu beschreitet. Entweder man reißt sich das Auge aus, wenn es auch nur einmal lüsternd blickt, und mir ist kaum ein einäugiger Tradi begegnet, oder man erkennt, dass man selbst genau wie der Ehebrecher auf die Gnade Gottes angewiesen ist, dann hält man die Klappe, wenn es um die Sünde des Nächsten geht.

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  9. Tausendmal erklärt, tausendmal ist nix passiert...
    https://www.youtube.com/watch?v=mrbNKOeIlLY

    Nur damit klar ist, dass auch eingefleischte Traditionalisten die Änderungen nach Amoris laetitia wunderbar erklären und verstehen können, eine schon länger gehegte Leseempfehlung für all jene, bei denen es immer noch nicht „Zoom“ gemacht hat:
    http://www.vatican-magazin.de/index.php/magazin/aktuelle-ausgabe/inhalt/14-magazin/aktuell/disputa/359-disputa-62016

    Der Artikel Das kleine Schrittchen von Papst Franziskus erschien fast gleich nach der Veröffentlichung von Amoris laetitia letzten Juni im Vatican Magazin; Verfasser ist ein superkonservativer Una-Voce-Autor, Ghostwriter und Koautor vieler Bücher von und mit Kardinal Meisner
    (https://www.amazon.de/dp/3932085949/ref=wl_it_dp_o_pC_S_img?_encoding=UTF8&colid=1XOZ90A3PLYN1&coliid=I185LPBNSDP71U),

    intelligent, logisch, altritualistisch gepolt, alles was man sich wünschen kann; und seine Analyse ist nachvollziehbar, scharfsinnig, hochgebildet, überhaupt nicht unklar oder verklemmt und einfach nur zu empfehlen.

    Er zeigt präzise und gestützt auf traditionelle kirchliche Doktrin und Dokumente auf,
    dass sich was geändert hat,
    was genau sich geändert hat,
    warum sich was ändern konnte
    und dass das alles nicht schlimm ist.
    (Und schon gar nicht „unklar“).

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    1. Mal wieder typisch Jorge:
      Er zitiert ein Dokument und versucht es mit
      vielen, vielen Worten zu seinen Gunsten auszulegen,
      und wenn man sich das Dokument im Wortlaut an-
      schaut, stellt man fest, dass es genau GEGEN die
      These von Jorge spricht.

      http://www.vatican-magazin.de/images/vatican/ausgaben/2016/6-2016/41-50disputa.pdf

      Im Dokument wird ausdrücklich zugegeben,
      dass der Ansatz des Papstes in der Praxis blanke
      Theorie bleiben wird: Kaum ein Priester werde,
      "sollt überhaupt ein solcher zur Beratung aufge-
      sucht werden" die Messlatte so hoch legen, wie sie
      Papst Franziskus mit seiner Theorie gedacht hat.
      Es werde vielmehr so kommen, liest man da,
      "dass vielmehr ein Großteil der Priester... im Namen
      der über allem stehenden Barmherzigkeit die Zulassung
      zum Kommunionempfang... generell ermöglichen wird."
      Also, Jorge,
      vielen Dank für das selbst eingebrachte Argument
      gegen Sie!

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    2. Bedauerlicherweise
      hat "Studiosus" in diesem Punkt leider recht.
      Habe mir den Artikel auch gerade mal ange-
      schaut; die Bischöfe von Malta bestätigen
      auf grausamste Weise, wie mit den Gedanken
      von Papst Franziskus in der Praxis umgegangen
      wird.
      Nichts mehr von vielleicht einem Dutzend Ge-
      sprächen zwischen Priester und Wiederver-
      heiraten, stattdessen entscheidet man selbst,
      was gut ist und was nicht.
      "Entsprechend der Lehre der Kirche" - so schrieb
      der Papst, und beweist damit, wie weltfremd er
      als alter Herr ist.

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    3. Ich schätze die Beiträge des Lesers Jorge
      sehr, weil sie einen Gegenakzent setzen zu
      manchem, was hier aus der konservativen Blick-
      richtung veröffentlicht wird,
      und dem Blogger Kreuzknappe ist Dank und Respekt
      zu zollen, dass er sich von Drohungen nicht be-
      eindrucken lässt und beide Seiten zu Wort kommen
      lässt.
      Der Artikel des "Vatikan Magazins"
      ist aber auch meiner Meinung nach eher ein
      Gegenargument zu Jorge,
      das er selbst eingebracht hat.
      Es lohnt wirklich, den verlinkten Artikel
      zu lesen, dann dann wird einem klar,
      wie tragisch die Siuation für Papst Franzis-
      kus geworden ist: Er hat es gut gemeint,
      aber er wird schmerzhaft erleben müssen, wie
      ihm durch die diversen Verlautbarungen der
      örtlichen Bischofskonferenzen und erst recht durch
      das Handeln von "barmherzigen" Priestern das Heft
      völlig aus der Hand gerissen wird.
      Die vom Papst angestrebte "Messlatte" liegt hoch,
      doch die Praxis ist eine völlig andere - es gibt
      kaum die erforderlichen langen Gespräche,
      sondern "Malta" ist längst überall - man befragt
      sein Gewissen, das kaum gebildet ist, und entschei-
      det sich dann für den Kommuniongang, weil das
      doch alle machen.

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    4. Dass Christoph Münch ein traditionalistischer Una-Voce-Autor ist, hatte ich doch klar gesagt.

      Dass er Erleichterungen für zivil wiederverheiratete Geschiedene enthusiastisch begrüßt, ist logischerweise nicht zu erwarten. Aber er argumentiert klug und redlich, das ist doch schon was.

      Gegenargumente sind kein Problem, es wäre doch dumm, kluge Gegenargumente zu ignorieren.

      Der Hauptpunkt ist doch:
      - Er schrieb dies gleich nach der Veröffentlichung von AL.
      - Er hat sofort begriffen, was Sache ist (von "Unklarheit" keine Spur).
      - Er erkennt an, dass solche kleinen Schrittchen prinzipiell möglich sind und keinerlei Verstoß gegen irgendeine "ewige Lehre" darstellen.

      Dass ist das Wichtigste.
      Dass er das nicht unkritisch sieht und Befürchtungen hat, ist doch vollkommen legitim.

      Je mehr "Tradis" das lesen und es ähnlich sehen wie Münch, umso besser.

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