Montag, 6. März 2017

Barmherzigkeit weiter gedacht: Sakramente auch für Ausgetretene?

Der nachfolgende Artikel ist nicht so ganz ernst gemeint. Oder vielleicht doch?
Jedenfalls beschäftigt die anhaltende Barm-
herzigkeitsdiskus-
sion viele Katholiken.
Der Vorschlag von Kardinal Kasper (bei der Versamm-
lung der Kardinäle
im Februar 2014), die wiederverheiratet Geschiedenen in eine Art Warte-
schleife
etwa wie bei einer Service-Hotline ("angemessene Bußzeit") zu schicken und sie dann "ohne Automatismus" und stets für jeden Einzelfall separat zu den Sakramenten zuzulassen, ist nicht wirklich neu.
Für die Pastoral vor Ort wird oberhirtlich schon länger nach dem Ei des Kolumbus gesucht (siehe auch "Amoris Laetitia"), wie man einerseits und andererseits gesichtswahrend zusammenbringen kann -- na, Sie wissen schon..!
Um falschen Beifall zu reduzieren: Ja, auch ich leide wie Sie, liebe Leserinnen und Leser, an dem Fiasko, das eine gescheiterte Ehe immer
für die Eheleute und auch und vor allem für die Kinder darstellt. Wer nicht mit Blindheit geschlagen ist, der sieht, wie schlimm so manche persönliche Situation ist. Da kann man auch nachvollziehen, wie verlockend es ist,
den Mantel der Barmherzigkeit so weit zu dehnen wie das nur möglich ist. Mit Recht fragen da aber viele Katholiken, ob man dem geschlossenen Ehebund mit seinem "bis dass der Tod euch scheidet" mit zeitgemäßer Toleranzvermehrung auch gerecht wird. Gilt das einmal geknüpfte Ehe-
band noch, oder gilt es dann nicht mehr?
Ein ungutes Gefühl beschleicht mich, wenn ich z.B. bei "katholisch.de" lesen muss, es gehe darum, dass die Wiederverheirateten "mehr Rechte" bekämen.
Wenn das nämlich so ist, dann schlage ich hiermit vor, die Barmherzig-
keitsdiskussion fairerweise auch auf die aus der Kirche Ausgetretenen
und Ausgeschlossenen auszudehnen. Müsste da nicht auch nach einer Wartezeit jeder Einzelfall im seelsorglichen Gespräch geprüft werden?
Genau dies forderte übrigens der Vatikan von den deutschen Bischöfen,
als sie vor Jahren Menschen kategorisch aus der Kirche ausschlossen,
die ihrer Pflicht zur Zahlung von Kirchensteuern aus welchen Gründen auch immer nicht mehr nachkamen.
Wir erinnern uns: Wer sich weigert, die fälligen Steuern zu zahlen,
fliegt raus und bekommt noch einen mahnenden Brief. Der wurde inzwischen auf Verlangen des Vatikans zwar überarbeitet, aber die grundsätzliche Frage bleibt doch: Warum darf man solche Menschen ausschließen, die vielleicht aus ihrer persönlichen Sicht ganz verständ-
liche Gründe haben, wegen der Steuer der Kirche den Rücken zu kehren? Es gibt sicher etliche Fälle, denen die finanzielle Last einfach zu groß ist und die jeden Euro dringend brauchen.
Die geltende Regelung nach dem Motto "Nur wer zahlt, darf auch zur Kommunion gehen" kann es doch eigentlich auch nicht sein, oder?
Und dass fast 90 % der Katholiken zwar brav zahlen, aber ganz offen-
sichtlich nicht bereit sind, die Sonntagsmesse zu besuchen, dürfte doch dann eigentlich auch nicht toleriert werden,
wenn man gleichzeitig Nichtzahler automatisch exkommunziert?!

Wird sich die ab heute tagende Deutsche Bischofskonferenz mit den Ausgetretenen beschäftigen? - Eher nicht...

Kommentare:

  1. Ein bisschen Äpfel mit Birnen verglichen,
    aber dennoch ein anschaulicher Vergleich, um mal
    das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie problematisch
    der Ruf nach Barmherzigkeit in der Praxis werden kann.
    Der Umgang mit Kirchenaustritten ist ohnehin ein
    peinliches Thema.
    Welcher Pfarrer macht sich die Mühe und kümmert
    sich um Ausgetretene?
    Man nimmt den Austritt zur Kenntnis - und das war's.

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  2. So lange die Kirchensteuern brav bezahlt werden,
    ist es unseren Oberhirten relativ egal, dass fast alle
    Katholiken inzwischen das Sonntagsgebot missachten.
    Ein paar treue Priester versuchen noch was zu retten,
    indem sie die Gläubigen ermahnen, aber insgesamt lässt
    man die Karteileichen und Taufscheinchristen in Ruhe.
    Das Geld von ihnen hat man ja.
    Beim Kirchenaustritt müsste man - so wie der Vatikan das
    meines Wissens verlangt, was aber in Deutschland nicht
    umgesetzt wird - genau hinschauen und differenzieren:
    WARUM ist jemand ausgetreten?
    Lehnt er den Glauben ab - dann sollte er auch nicht
    zur Eucharistie zugelassen werden,
    oder
    drücken ihn die Kirchensteuern zu sehr (für viele
    sind etwa 200 - 300 Euro im Jahr sehr viel Geld!) -
    das wäre im berühmten Einzelfall zu klären.

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