Donnerstag, 2. März 2017

Vatikanisches Kommissions-Mitglied Collins steigt aus - ein Rückschlag für Papst Franziskus?

Es hat mal wieder ordentlich geknirscht im Vatikan: Wie man aus diversen Medien erfährt, hat ein Mitglied der Vatikanischen Kinderschutz-
kommission entnervt das Handtuch geworfen.
Die irische Ordensfrau Marie Collins, die selbst auch Miss-
brauchsopfer eines Priesters ist, steigt aus der Kommission aus. -  Der eigentliche Aufreger ist allerdings ihre Begründung: Sie müsse bei Ämtern der Römischen Kurie mangeln-
den Willen zur Kooperation feststellen, bemerkte sie offenbar verbittert.
Nun wird natürlich unter der Hand spekuliert, ob ihr endgültiger Schritt vielleicht damit in Zusammenhang stehen könnte, dass Papst Franziskus ein paar Missbrauchs-Priester wohl "begnadigt" haben soll - siehe ent-
sprechende Berichte der letzten Woche. Es bleibt aber alles pure Ver-
mutung, weil sie die Katze nicht wirklich aus dem Sack gelassen hat.
Auf jeden Fall ist das mal wieder eine gute Gelegenheit für die Presse, gleich mal wieder einen "Rückschlag" für den Papst zu konstruieren
( ---> HIER !) und dann auch noch hinzuzufügen, es sei ja nicht das erste Mitglied der Kommission, das eine "Auszeit" genommen habe, nämlich Peter Saunders im Februar 2016... ---> HIER !

Doch wenn man genauer hinschaut, dann verhielt es sich mit Peter Saunders deutlich anders: Nicht er ist gegangen, sondern er ist "gegangen worden", weil er nach damaligen Berichten sowas wie ein Dauer-Nörgler war, dem die anderen Kommissionsmitglieder schließlich ihr Misstrauen ausgesprochen hatten... ---> HIER !
Natürlich kommt auch der neuerliche Fall nicht sonderlich gelegen.
Aber man sollte es auch nicht überdramatisieren, finde ich. Die Arbeit der Kommission geht jedenfalls weiter, so gut Kommissionen eben arbeiten...

Kommentare:

  1. Marie Collins hat ja schon 2014 lauthals ver-
    kündet, dass sie von Papst Franziskus diesbezüglich
    "ein bisschen" enttäuscht sei...

    http://www.huffingtonpost.com/2014/03/25/marie-collins-abuse-survivor_n_5028353.html

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  2. So ganz ohne Kommentar ist sie nicht gegangen.
    Wer sich internationale Medien anschaut, erfährt z.B.,
    dass sie dem Vatikan den Vorwurf macht, nach außen so
    zu tun, als mache man alles Mögliche für die Missbrauchs-
    opfer, und intern weigere man sich sogar, deren Briefe
    der Missbrauchskommission vorzulegen, und so könne es
    nicht weitergehen.
    Dem Papst wirft sie vor, allerlei anzukündigen, aber nicht
    umzusetzen. So sei z.B. das schon 2015 angekündigte Gericht
    zur Disziplinierung von Bischöfen, die in Missbrauch ver-
    wickelt waren, immer noch nicht eingerichtet.
    Außerdem seien einige Bischöfe, die auf der Linie des
    Papstes liegen, trotz einiger Zweifel an ihrem Verhalten
    auffallend geschont worden.

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  3. Die Tradis in unangenehmer Zwickmühle:
    Einerseits wird beim Thema "Missbrauch in der Kirche" sofort in Habacht-Stellung gegangen und diejenigen, die solche Dinge erlebt haben und dann öffentlich davon reden, werden als "Nestbeschmutzer" und "Kirchenfeinde" (in der Regel natürlich "linksgrün") beschimpft. Das also spricht aus Tradi-Perspektive klar gegen die irische Ordensfrau.

    Andererseits grift diese den verhassten Papst an und wirft ihm Vertuschung vor. Das wiederum gefällt den Tradis, weil es gegen Franziskus geht.

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  4. Verständlich, dass man seitens des Vatikans
    den Eindruck vermeiden will, dass der Papst
    mitursächlich schuld am Ausstieg diees Missbrauchs-
    opfers ist - schließlich ist ihr Schritt ein Auf-
    schrei: Auch unter Franziskus redet die Kirche
    mehr als dass sie etwas tut.

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  5. Sie meint mit Ihrer Kritik gerade nicht den Papst, sondern wohl eher die Glaubenskongregation.

    http://de.radiovaticana.va/news/2017/03/02/pater_zollner_kinderschutz-kommission_arbeitet_weiter/1296090

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    1. Na klar, das ist die Version des Vatikans,
      weil die am angenehmsten für den Papst ist.
      Allerdings ist das nicht die ganze Wahrheit,
      um es mal diplomatisch zu formulieren.
      Das belegen frühere Zeitungsberichte eindeutig:

      Beispiel:
      http://www.rte.ie/news/2015/0913/727561-marie-collins-chile-pope/

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    2. In ihrem aktuellen ausführlichen Statement für NCR zu ihrem Rücktritt
      kritisiert Collins nicht nur heftig die Kurie,
      sondern (wiewohl etwas weniger heftig) auch den Papst
      wegen seiner jüngsten „Gnadenerlasse“:

      https://www.ncronline.org/news/people/exclusive-survivor-explains-decision-leave-vaticans-abuse-commission


      Es heißt dort (ab „Notwithstanding recent diasappointing news“) – in meiner Übersetzung – :

      „Trotz der jüngsten enttäuschenden Nachrichten über die Reduzierung der Sanktionen für verurteilte Täter glaube ich, dass der Papst im Grunde genommen um den Horror des Missbrauchs weiß und um die Notwendigkeit, diejenigen zu stoppen, die Minderjährigen schaden könnten.

      Obwohl ich mit diesen seinen Maßnahmen nicht einverstanden bin, haben sie doch – soweit ich das sehe – keinen Täter zurück in eine Position gebracht, in der ein Risiko für Kinder besteht. Falls die Maßnahmen aber doch dazu führen würden, wäre ich ganz anderer Ansicht.

      Diejenigen, die an sein (des Papstes) Engagement für Barmherzigkeit auch in diesen Fällen appellieren, erweisen allen einen Bärendienst, auch ihm selbst, der meinem Gefühl nach nicht richtig versteht, wie seine Gnadenakte alles andere untergraben, was er in diesem Bereich tut, einschließlich der Unterstützung der Kommission.“

      Sie bedauert außerdem, dass sie in den vergangenen 3 Jahren nie eine Möglichkeit hatte, mit dem Papst über die Missbrauchsfälle zu sprechen – und sie nennt drei Wünsche, die sie im Fall eines Gesprächs geäußert hätte.

      Ergänzend:

      Hier Collins bei Twitter:

      https://twitter.com/marielco?lang=de

      Hier ihre offizielle Rücktrittserklärung:

      http://www.mariecollins.net/news.html

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