Sonntag, 23. April 2017

Nach KZ-Ausspruch des Papstes: Könnten Vatikan und Kirche selbst nicht auch noch mehr für die Flüchtlinge tun?

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen! - So jedenfalls sieht es ein Teil der Kritiker, die den Papst-Ausspruch, Flüchtlingslager glichen zum Teil Konzen-
trationslagern, als unangemessen empfinden. Ich habe mir eben mal eine halbe Stunde lang diverse Leserbriefspalten im Internet angeschaut; auf die der "ZEIT" und der "Tagesschau" hatte ich heute ja schon verwiesen.

Ich muss mir diesen Schuh nicht anziehen, aber man sollte nicht einfach herablassend über solche Kritik hinweg gehen, denn wer
so wie ich mitten im Leben steht, bekommt wahrscheinlich deutlich mehr mit als ein Bischof. Das liegt schlicht daran, dass Bischöfe fast immer nur einem "ausgewählten" Publikum begegnen, wie z.B. bei den Visitationen in den Pfarreien. Wer traut sich denn schon, "Klartext" mit einem Bischof zu reden?

Jedenfalls gibt es massive Vorhaltungen in Richtung Kirche, man möge doch beim Thema Flüchtlinge erst mal vor der eigenen Türe kehren. Die "reiche Kirche" verfüge über genügend Personal, Finanzen und Immobilien, um wesentlich mehr Flüchtlinge unterzubringen als bisher. Wenn der Papst schon über die Zustände in Griechenland jammere, dann solle er sie doch ändern...!
Solche Fragen werden ab und zu sogar von Journalisten gestellt, die sich für gewöhnlich da eher zurückhalten. So schrieb die "FAZ" schon 2014, der Vatikan tue selbst zu wenig, was Pater Hagenkord von "Radio Vatikan" prompt in Rage brachte. ---> HIER !
Gerne verweist man kirchlicherseits darauf, der Vatikan habe schließlich auch zwei, drei Flüchtlingsfamilien aufgenommen, und mehr gehe auf dem beengten Raum des Vatikanstaates leider nicht. Das allerdings wird nicht jeder als einleuchtende Erklärung akzeptieren, weil jeder halbwegs Infor-
mierte weiß, dass der Vatikan Besitzer von Hunderten von Immobilien ist, in Rom, in ganz Italien und sogar im Ausland, wie z.B. in der Schweiz, oft ein wenig "verborgen" durch rechtliche Konstruktionen, die den Eigen-
tümer Vatikan nicht gleich erkennen lassen.

Wie sehen Sie das, liebe Leserinnen und Leser: Tut der Vatikan selbst genug für die Flüchtlinge? Tut die Kirche genug?

Kommentare:

  1. Eine grandiose Rechtfertigung, selbst nichts tun zu müssen. Der Papst hat alle Gemeinden und alle Klöster in Europa aufgefordert, eine Familie aufzunehmen, und schwups, das Problem wäre gelöst, durch die Kirche. Aber die feinen Bischofskonferenzen (Italien und Griechenland und Dtld mal ausgenommen) mauscheln lieber mit rechtsnationalen Parteien und zeigen dem Papst den Vogel. Das ist die Wahrheit!

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  2. ... und nicht zu vergessen gibt es auch diejenigen
    Katholiken, die der Meinung sind, die Kirche tue schon zu
    viel für die Flüchtlinge, denen flögen quasi die gebratenen
    Tauben direkt in den Mund.

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  3. Schämen Sie sich, Kreuzknappe,
    derart absurde Behauptungen in die Welt zu setzen wie etwa die,
    der Vatikan habe Immobilienbesitz in der Schweiz.
    Man kann es auch übertreiben, finde ich!

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    1. http://www.handelszeitung.ch/unternehmen/vatikan-der-heilige-investor

      http://orf.at/stories/2162563/2162561/

      https://www.srf.ch/news/international/wie-viel-besitzt-die-kirche-in-rom-wirklich

      http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Gottes-Notgroschen/story/28665339

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  4. Für eine McDonalds-Filiale fand der Vatikan jedenfalls
    Platz genug in einer seiner Immobilien in Vatikannähe.
    Wie so oft geht es wohl ums Geld - Miete angeblich pro Monat
    30.000 Euro.
    Man komme mir bitte nicht damit, der Vatikan müsse schließlich Rücklagen bilden für die Altersvorsorge usw.
    Das ist zwar richtig, aber nicht in derart großem Umfang.
    Der Papst wäre als Moralprediger wesentlich glaubwürdiger,
    wenn der Vatikan erst mal selbst als Vorbild fungieren würde.
    Stattdessen betreibt man z.B. ein Luxus-Kaufhaus im vatikanischen Bahnhofsgebäude, wo Kirchenfürsten und Diplomatenfamilien mit entsprechenden Ausweisen ihre edlen Parfüms, modische Kleidung, Edel-Uhren usw. zu günstigen
    Preisen kaufen können...

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  5. Unter einem Papst mit dem Namen des hl. Franziskus
    stelle ich mir was anderes vor.
    Statt mit Reförmchen ständig im Clinch mit der Kurie zu
    liegen, sollte der Papst mal gegen den Reichtum der Kirche
    angehen. Entweltlichung!!!

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    1. Ach nee, Herr Becher will die Entweltlichung. Aber dann rumschimpfen, wenn die Kirche spart und sich von Gebäuden trennt und Pfarreien zusammenlegt. Das haben wir gern.

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    2. Seit wann schimpfe ich rum, wenn die Kirche spart?

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  6. Die sogenannten kleinen Leute haben ein gutes Gespür
    für Ungerechtigkeiten und Scheinheiligkeiten.
    Die Kirche tritt sich selbst ins Knie, wenn sie weiter
    die Milliarden hortet, denn sie büßt ihr eigentliches
    "Kapital" dabei ein, das Vertrauen.
    Man kann jeden x-beliebigen fragen, immer kommt das
    Thema hoch, dass die Kirche zu reich ist.
    Und Papst Franziskus ist da auch kein echtes Vorbild,
    denn er blockiert im vatikanischen Gästehaus eine
    ganze Etage (also enormer Ausfall von Einnahmen),
    es entstehen Kosten für Bewachung usw., und gleich-
    zeitig steht seine geräumige Dienstwohnung im Vatikan
    jahrelang leer. Machen Sie das mal jemandem klar...!

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