Dienstag, 2. Mai 2017

Kirchenschließung auf dem Dorf: "Mir ist, als wenn ich sterbe!"

Ich habe hoch und heilig versprochen, keine näheren Angaben zu machen. Die liebe Tante
will es so, und dann halte ich mich daran. Sie ist völlig am Boden zerstört und war schon wegen Herzbeschwerden als Notfall beim Arzt: "Mir ist, als wenn ich sterbe!"
Mehr kriegt sie nicht raus, die 85-jährige, die vergeblich gegen die Tränen ankämpft. Seit wenigen Tagen weiß sie inoffiziell, was noch geheim ist und erst in einigen Tagen als "Bombe" platzen wird: Die schöne große Dorfkirche wird dicht gemacht!

So hat sie es vertraulich von einem Kirchenmann erfahren, der sich auf ihre Verschwiegenheit ver-
lässt. Die Kirche sei "überzählig" nach den Planungen, die Nachbarkirche im nächsten Dorf nur wenige Kilometer entfernt.

Wenn man das so hautnah miterlebt wie ich gestern, dann ist man fix und fertig (wobei ich mir nichts vormache: In zehn Jahren, so meine innerfa-
miliäre Wette, ist auch die Kirche bei uns im Ort zu)
.
Aus und vorbei, was in Jahrhunderten mühsam erkämpft wurde (den teu-
ren Kirchbau haben sich die Dorfbewohner in Jahrzehnten quasi vom Munde abgespart)
und was das letzte verbliebene Zentrum im Dorf war. Aus die Maus. Der Letzte macht das Licht aus.

Mein Versuch, das Tantchen zu trösten, ging völlig daneben: Du kannst dich doch von deinen Nachbarn mitnehmen lassen in die  Kirche in ....?! - Die Tante guckt mich entgeistert an. "Ja, da werde ich mich hin mitneh-
men lassen. Und zwar, wenn es so weit ist, im Sarg!"

Und wieder ist ein "Objekt" in den Plänen des Bistums abgehakt.