Mittwoch, 21. Juni 2017

Der Fuß muss amputiert werden!

Wie ich ab und zu betone: Auch bei uns spielt sich das Leben hauptsächlich außerhalb des Internets ab, und das ist auch gut so. Jeder Tag hat seine schönen Momente, seine Herausforderungen und Plagen - und oft auch Situationen, die sehr nachdenklich und still machen.
Gestern besuchte uns kurzfristig angekündigt eine Studienkollegin meiner Frau. Sie hat einen Koffer im Auto dabei, aber sie ist nicht auf dem Weg in den Urlaub, sondern in ein Krankenhaus, in dem ihr ein Fuß amputiert werden muss. Ich sage nur, damit Sie, liebe Leser, Bescheid wissen: Die 63-jährige Dame ist starke Raucherin, dann können Sie sich die unappetitliche Farbe des Fußes vorstellen...
Was mich fast ebenso schockierte: Man spricht über dieses und jenes, wie man helfen kann, und dann kommt von ihr der Satz, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht: "Mich braucht eigentlich sowieso niemand mehr. Ich sitze den ganzen Tag vor der Glotze oder mache Computerspiele..."
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, liebe Leser, aber das ist für mich eine geradezu exotische Aussage - und eine überaus traurige dazu. Wir haben Arbeit in Hülle und Fülle, und es bleibt immer sogar einiges liegen, weil
wir es zeitlich nicht schaffen - oder weil wir uns den Luxus gönnen, einfach mal eine halbtägige Auszeit zu nehmen, um z.B. ins nahe gelegene Kloster Maria Laach in der Eifel zu fahren.

"Mich braucht eigentlich sowieso niemand mehr" - da denke ich: Wie viele Leute werden das von sich sagen? Wie viele sitzen jeden Tag stundenlang herum, nur um mehr oder weniger intelligente Spiele am Computer oder Smartphone zu machen?
Jede(r) wird gebraucht, finden wir. Vielleicht in der nächsten Umgebung (man könnte z.B. Kindern aus der Nachbarschaft bei den Hausaufgaben helfen oder ihnen etwas vorlesen), oder auch eine ganze Nummer größer: Für diese Welt!
Ja, auch jemand, der ans Bett gefesselt ist, kann eine Menge für diese Welt tun, davon bin ich überzeugt (an dieser Stelle ein herzlicher Gruß an die kranken Leser!!!). Meine Oma ist mir in ihren letzten Lebensjahren noch sehr lebhaft in Erinnerung - fast immer mit einem Lächeln im Gesicht und einem Rosenkranz in der Hand.
Als Jugendlicher sprach ich sie mal darauf an - und sie schaute mich fast erstaunt an: Warum ich so viel bete?! - Aber Junge, schau dich doch mal um in der Welt, hast du denn keine Augen im Kopf?! - Und dann setzte sie wieder ihr unbeschreibliches Lächeln auf, das mir sagte: Sie wusste, was sie da tat, und sie wusste auch, wie nötig es war.

Wir wünschen unserer Besucherin und allen Lesern alles erdenklich Gute! - Aber den Satz "Mich braucht eigentlich sowieso niemand mehr!", den las-
sen wir nicht gelten. Er ist eindeutig falsch!!!