Samstag, 11. November 2017

Papst Franziskus: Verwechselt das Gewissen nicht mit "exklusiver Selbstbestimmung"!

Nicht nur im Zusammenhang
mit der praktischen Nutzanwendung von "Amoris Laetitia" z.B. für wiederver-
heiratete Geschie-
dene, die zur Kom-
munion gehen wol-
len, ist oft davon die Rede, dass das Ge-
wissen zu befra-
gen
sei.  - Das hat Papst Franziskus jetzt auch wieder betont; wer daraus aber vereinfachend schlussfolgert, dann sei doch alles klar - man brauche
ja nur seinem Gewissen zu folgen, welches einfach "JA" sagt zum Kommu-
niongang, der tut ihm Unrecht.

Papst Franziskus sieht das durchaus differenziert und sieht auch die Gefahren, die mit der Strapazierung des Gewissensbegriffes entstehen können. Deshalb riet er zwar, das Gewissen "immer zu respek-
tieren"
, warnte aber ausdrücklich davor, es sich dabei zu einfach zu machen.

Er stelle die "häufige Tendenz" (!) fest, das Gewissen so zu interpretieren, dass es auf eine "exklusive Selbstbestimmung des Indidiuums" hinauslaufe. Die Gefahr sei eine "Vergötterung des Ichs", eine "Egolatrie".
Das ist wohl der Knackpunkt:  Es erfordert viel und lebenslange Ge-
duld, sein Gewissen zu bilden, wozu eben ganz entscheidend auch gehört, dass man zur Vermeidung eines Gewissensirrtums alle verfüg-
baren Informationen berücksichtigt, einschließlich der Lehre der Kirche. 

Es ist also nichts mit dem geheimen Motto "Mein Kommuniongang ist meine Angelegenheit, da hat mir keiner reinzureden".
Man lese ---> HIER und HIER und HIER !

Kommentare:

  1. Diese Erkenntnis kommt bei Papst Franziskus ein bisschen spät!

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  2. Papst Franziskus hat pauschal zu einer Gewissensentschei-
    dung ermutigt und dabei als Konsequenz von "Amoris Laetitia"
    billigend in Kauf genommen, dass diese auch in den Irrtum
    führen kann.
    Seine Idee, dass im Einzelfall viele intensive Gespräche mit
    einem Seelsorger zu führen seien zwecks Reifung eines Ge-
    wissensentschlusses, ist angesichts der Zeitnot völlig rea-
    litätsfern, oder man nenne mir Seelsorger, die z.B über
    den Zeitraum von 6 Wochen für ein einziges Paar pro Woche
    vielleicht 2 Stunden Gesprächszeit haben.
    In der Praxis bleibt es bei einer 10minütigen Belehrung,
    und das war's!
    Papst Franziskus geht im Grunde ja noch weiter, denn so
    hat er bei einem Besuch bei einer lutherischen Gemeinde
    in Rom konfessionsverschiedenen Paaren geraten, sie sollten
    zu Gott beten und dann ihrem Gewissen folgen.
    Die "Egolatrie", die er jetzt beklägt, hat er selbst ver-
    ursacht!

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    1. Was der Papst da sagt und was der Knappe finde ich auch sehr prägnant und zutreffend dargestellt hat, ist schlicht und einfach die alte, thomistisch bestimmte Gewissenslehre seit eh und je, die man zu unserer Zeit noch im Kommunionunterricht lernte und von der "Amoris laetitia" von Anfang bis Ende und bis in die Fußnoten hinein bestimmt ist.

      Auf das Gewissen hören, heißt schlicht und einfach so ehrlich zu sich selbst zu sein wie möglich. Billige Ausreden erkennt das Gewissen sofort, und selbst wenn man das schlechte Gewissen wegschiebt, merkt jeder letztlich doch, wenn er sich selber oder Gott anlügt.

      Das ist das A und O, ehrliche Selbstreflexion im Angesicht des Ewigen.

      Wenn dir dagegen irgendein Priester oder Seelenklempner (oder sonstwer) einreden will, du würdest schlimme Dinge tun, und du weißt in deinem Innersten genau, dass das gar nicht stimmt und dass du das Richtige tust, dann ist es wichtig, die Moralapostel links liegen und dir dein Gewissen nicht manipulieren zu lassen.

      Das Gewissen ist der Chef,
      weil in ihm (und nicht in irgendwelchen Autoritäten,
      und sei es der Papst oder die Muttergottes von Fatima)
      Gott selber zu dir redet.

      Das steht glücklicherweise auch ganz genau so im KKK.

      Wer seinem Gewissen nicht folgt,
      weil er meint, Regeln folgen zu müssen,
      wird ein gewissenloser Mensch.

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  3. Das Problem ist nicht der Gebrauch des Gewissens,
    sondern die irrige Einbildung, man habe sein Gewissen
    gründlich genug gebildet, wenn man ein Vaterunser betet und
    dann tut, was man aus dem Bauch heraus für richtig hält.
    Man sieht doch schon bei so simplen Dingen wie dem
    Übermaß bei Essen, Trinken oder Fernsehen, wie schnell man
    sich ein gutes Gewissen herbeireden kann.
    Das Konzept der "dialogischen Pastoral" kann nur bei einem
    engmaschigen und intensiven Gesprächsangebot mit erfahrenen
    Seelsorgern funktionieren, und daran mangelt es.

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  4. ein Priester (76 Jahre)11. November 2017 um 16:29

    Papst Franziskus traut dem Einzelnen und seinem Gewissen
    unerhört viel zu, das ist geradezu revolutionär im Denken
    der Kirchenoberen.
    Dieses große "PLUS" kann allerdings auch bei falschem,
    oberflächlichem Gebrauch in ein großes "MINUS" umschlagen,
    wenn man sich in die Tasche lügt, man habe eine gründlich
    abgewogene Gewissensentscheidung getroffen.
    Wie weit es damit her ist, kann man vielleicht an solchen
    "Kleinigkeiten" wie der erkennen, dass ZdK-Präsident
    Sternberg erklärte, er kenne im ZdK "niemanden", der noch
    beichten gehen würde...

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  5. Die Zeiten von Katechismusfrage und -antwort sind vorbei.
    Mit Papst Franziskus hat der mündige Katholik in die
    pastorale Praxis Einzug gehalten, der in eigener Verant-
    wortung und nach gründlicher Gewissensprüfung tut, was
    er als richtig erachtet.
    Für die Herausforderungen an die Kirche von morgen ist
    ein solches Konzept einfach alternativlos.

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    1. "Mündigkeit" ist ein gedankliches Konstrukt der glaubenslosen aufklärerischen Moderne. Das christlich-katholische Menschenbild kennt keinen "mündigen Menschen", sondern den Sünder, der sich zwecks Bildung seines Gewissens in kindlichem Gehorsam an der Lehre der Kirche zu orientieren hat.

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  6. Mal wieder eine der jesuitischen Nebelkerzen.
    Wir kennen das bereits - man kann das stets so oder
    so deuten. Die einen: "Der Papst hat gesagt, man soll
    auf sein Gewissen hören!"
    Die anderen: "Der Papst hat gesagt, verlasst euch nicht
    einfach auf euer Gewissen!"

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  7. Der Papst kann sagen was er will, die braune Katho-Meute fällt über ihm her.

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  8. Wie sehr das Gewissen einer gesamten katholischen Nation irren kann, zeigt Polen mit seinem Rosenkranz an der Grenze um hilfsbedürftige Menschen (also Jesus selbst) abzuweisen und fernzuhalten. Die Institution Kirche hilft hier also nicht weiter, es kann nur die Stimme Gottes in dir zu einer guten Entscheidung führen.

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    1. Das war wirklich grauenhaft ja.

      Wobei mich selber das gar nicht so sehr schockiert hat,
      weil ich den konservativen poln. Katholizismus eh
      nicht anders eingeschätzt hätte (also das PiS-Sprektrum)
      aber auch gut weiß, dass es in Polen auch ganz andere kirchliche Richtungen gibt, die eher Mut machen.

      Aber in der Verwandtschaft, die das Ganze über die Medienberichte mitbekam, waren einige so entgeistert von diesem Schauspiel, das ich sogar entsetzte Anrufe bekam.

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    2. Das Gegenteil ist wahr: die Polen sind noch gläubig und stehen noch in der Lehre der Kirche, wie sie 1962 Jahre in Geltung stand.
      Viva Polonia!

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