Donnerstag, 11. Januar 2018

Ärgerlicher Artikel des DEUTSCHLANDFUNKS zur Lage der Priesterausbildung in Deutschland

"Eine zu exotische Lebens-
form"
- so beginnt es provozie-
rend im Artikel von Burkhard Schäfers im "Deutschland-
funk"
.
Es geht um das Leben der Priester und vor allem um die Priesterausbildung in Deutsch-
land und um deren Personal-
notstand. 
Nicht, dass der Artikel generell Unsinn wäre, aber er ist eben einseitig (was er durchaus sein darf, ich rea-
giere ja auch bewusst einseitig darauf!).
- Da wird z.B. lang und breit als Experte der Theologe Dr. Wunibald Müller zitiert, von dem jeder halb-
wegs Informierte weiß, was er schon alles über den Zölibat losgelassen hat, auch in wiederholten Schreiben an Papst Franziskus. Das sollte man sich erst noch mal in Erinnerung rufen, so z.B. ---> HIER und HIER und
auch HIER !
Klar sollten wir uns Sorgen und Gedanken machen über die dramatisch gesunkenen Zahlen bei den Priesteramtskandidaten, aber vielleicht sollte man sich auch mal Gedanken machen, warum das anderswo nicht so ist, und warum ganz bestimmte Seminare auch im deutschsprachigen Raum quasi aus den Nähten platzen vor lauter Bewerbern!

Es ist nicht falsch, was Journalist Schäfers schreibt, und es ist auch nicht falsch, wenn er zwei Negativbeispiele groß und breit herausgreift
und auswalzt. Aber es gibt eben auch die anderen, die Positivbeispiele, und die sind leider nicht so recht zu Wort gekommen beim "Deutschlandfunk".

Da wird über hohe Mauern, stille Flure und die gemeinsame Suppe beim sonntäglichen Mittagessen philosophiert, was es bei anderen Studien-
gängen nicht gäbe. Klar, aber muss ein Priesterstudium denn genauso
sein wie andere Studiengänge?

Man lese ---> HIER und ergänzend bei "katholisch.de" ---> HIER !

Kommentare:

  1. Diözesaner Bürohengst11. Januar 2018 um 07:36

    Es gibt nicht DIE Ursache für den Mangel an
    Kandidaten und es gebt demzufolge nicht DIE Lösung.
    Medizinisch gesprochen handelt es sich da um ein
    MULTIPLES ORGANVERSAGEN, eine Kettenreaktin des
    Versagens.
    Es darf angesichts der guten Zahlen bei den traditio-
    nellen Seminaren auch die Frage erlaubt sein, ob sich
    die Kirchenführer mit der allzu heftigen Anlehnung an
    den Zeitgeist letztlich selbst den Ast abgesaägt haben,
    auf dem sie sitzen.
    Aus Indien und z.B. Nigeria könnten problemlos binnen
    eines Jahres locker 2.000 Priester nach Deutschland
    geschickt werden!

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    1. Der erste Punkt ist völlig richtig, sehe ich auch so (multipler Ursachenmix).

      Der zweite Punkt verwechselt die Symptome mit der Medizin und erinnert and esoterische Heilmethoden (nach dem Motto: "mehr vom Übel beseitigt die Krankheit"). Das ist großer Käse, aber leider ein gängiger Narrativ nicht nur unter "Tradis", sondern auch im konservativen kirchlichen Milieu.
      Daher nochmal (obwohl ich das hier schon oft betont habe) ganz deutlich: Religionssoziologisch ist das (angebliche) "Überlaufen" der traditionalistischen Priesterausbildungsstätten genauso "krank" und einfach nur die andere Seite derselben Medaille (Säkularisierung) wie die Leere der diözesanen Seminare.
      Junge Leute heute sind entweder gar nicht religiös oder neigen im Ggt. zu radikalen, irrationalen und abseitigen Ausprägungen der Religion und ziehen dann eben auch zu radikalreligiösen oder sektenartigen Grüppchen. Beides sind Folgen derselben Krankheit: Verlust des religiösen Bewusstseins und der religiösen Verwurzelung (vulgo "Säkularisierung"). Wer Religion nicht mehr begreift, wendet sich entweder ab oder will es "150-prozentig" korrekt machen und macht damit eben auch alles falsch.
      Das große Vorbild für diesen akuten Krankheitsmechanismus ist der Islam mit seiner Identitäts- und Radikalisierungskrise, besonders in ihrer im säkularisierten Westen aufgebrochenen Form (Jugendsalafismus etc.).
      Solche Phänomene (Drang zum Salafismus im Islam ebenso wie zum Traditionalismus im Katholizismus) muss man wirksam bekämpfen (wie das der Papst seit langem tut), weil sie eine Religion an den Rand des Untergangs treiben können, wie das Bsp. Islam zeigt.

      Der dritte Punkt (Priester aus Entwicklungsländern) ist an sich ein wohl korrekter Fakt, nur wird der hier ganz kontext- und begründungslos in den Raum gestellt. Dass es in bestimmten Entwicklungs- und Schwellenländern *noch* Zulauf in die Seminare gibt (und in anderen nicht, nehmen wir Lateinamerika oder die Philippinen), hat natürlich Ursachen, die der @Bürohengst aber nicht benennt.
      Die Probleme beim Import von Priestern aus Entwicklungsländern nach Dtschl. hat schon vor Jahren Kdl. Tagle gut beschrieben. Im Kern ist das eine Art Neokolonialismus und wird von den Herkunftsländern als Spielart der weltweiten Migrationskultur erlebt.

      Ein anderes Bsp. für das kritische Potenzial dieser Kultur zeigt der Skandal um die "Franziskaner der Immakulata", wo es ja u.a. auch um Menschenhandel im großen Stil unter klerikalem Deckmantel ging (auch hier wieder v.a. mit Bezug Philippinen). In diesem Skandal erleben wir quasi beide Krankheitssymptome im Zusammenspiel (kruder Traditionalismus und kruder Menschenimport ohne Rücksicht auf Verluste).

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    2. Natürlich könnten sie aus 3.Welt Ländern problemlos viele Priester schicken, man darf nur nicht glauben, diese wären aus Glaubensgründen Priester geworden. In diesen Ländern, und besonders in Indien, ist der Priesterberuf eine der wenigen Möglichkeiten, die soziale Stellung zu verbessern.
      Daher ist dieser Beruf ja auch bei den Angehörigen der Kaste der Unberührbaren so beliebt, denn diese sind in Indien von nahezu allen anderen Berufen ausgeschlossen.

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    3. Auf den Unsinn von Jorge
      sollte man eigentlich gar nicht eingehen, er ist
      ganz offensichtlich ein Troll, der nur provozieren will.
      Aber ein kleines Beispiel:
      Er regt sich künstlich auf über "Import" von Pries-
      tern, das sei "Neokolonialismus".
      Das schreibt er zu einer Zeit, wo es selbstvcrständ-
      lich ist, dass Deutsche als Fachkräfte in aller Welt
      arbeiten und Fachkräfte z.B. in der IT-Branche aus
      Indien und China zuhauf in Deutschland arbeiten.
      Dass nach dieser Definition Papst Franziskus,
      für den er so schwärmt, auch nur ein "Import" ist,
      scheint ihm noch nicht aufgefallen zu sein.

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  2. Das Thema wühlt mich auf, denn ähnlich wird ja auch
    immer wieder bezüglich Ordensnachwuchs geschrieben.
    Wenn ich sehe, wie unattraktiv geistliche Berufe geworden sind, dann frage ich, ob die Kirche in Deutschland und anderswo die vielen Milliarden an Kirchensteuern wirklich sinnvoll angelegt hat. Wo sind denn die mächtigen Medien-Kampagnen für geistliche Berufe? - Das plätschert doch nur so vor sich hin!

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  3. Wunibald Müller spricht im Gegensatz zum Knappen aus tausendfacher Erfahrung. Welche Anmaßung ihn so pauschal in Zweifel ziehen zu wollen. Der Missbrauchsskandal hat gezeigt, dass tausende das Ideal nicht leben können, vermutlich viele davon, die Knappe als positive Beispiele herangezogen hätte. Der Zölibat muss eine freiwillige Option für Priester werden.

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    1. ein Priester (76 Jahre)11. Januar 2018 um 09:45

      Da muss ich Ihnen heftig widersprechen, Leser "Knippi"!
      Ich bin nun 48 Jahre lang Priester und habe noch nie
      ernsthafte Probleme mit dem Zölibat gehabt.
      Glauben Sie mir, der Herr Dr. Müller hat einen soge-
      nannten Tunnelblick, das heißt, er sieht als Therapeut,
      der nur mit "Gescheiterten" (das ist salopp gesagt und
      keine Kritik!) zu tun hatte, nicht das Gros der Pries-
      ter. Die haben ganz andere Sorgen als den Zölibat,
      wenn man nur an den Glaubensschwund in Deutschland
      denkt.
      So sehr ich die Arbeit von Dr. Müller für die 10 %
      der Priester, die ihn vielleicht in Anspruch nehmen,
      gut finde, so sehr verwahre ich mich entschieden gegen
      seine Schlussfolgerungen für "die" Priester.

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  4. Mit seinen einseitigen Stellungnahmen und den
    wiederholten Briefen an den Papst zeigt Herr Müller,
    dass er modernistisch denkt, was ja auch seine Idee
    beinhaltet mit dem Homo-Priestern.
    Nirgendwo steht, dass der Vatikan ihm geantwortet hat.
    Weiß jemand was - oder gab es nur so ein pro forma
    Standardschreiben?
    Man spreche mal mit erfahrenen Priestern und erwähne den
    Namen Wunibald Müller - die Reaktionen sind aufschlussreich!

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    1. Ein Priester der Müller kritisch sieht, hat wohl etwas zu verbergen! Dem würde ich auf jeden Fall misstrauen!

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    2. So weit wie @Knippi würde ich da nicht gehen.
      Aber W. Müller gehört sicherlich zu den Wenigen vertrauenswürdigen Helfern, die sich um die seelische Gesundheit des Priesterstands im dt.-spr. Raum aktiv und seriös einsetzen. Er verdient danach ganz außerordentlichen Respekt und sicher keine Anfeindungen, schon gar nicht so unausgegorenes Zeug wie "Modernismus" (was soll das bitte sein, noch gar in diesem Kontext? Und was ist dann daran schlechter als "Traditionalismus"?). Das ist meine ich Blödsinn.

      Wer als Priester Vorbehalte gegen W. Müller hat, muss nichts "zu verbergen" haben, das ist Quatsch.
      Aber er sollte sich nicht von Vorurteilen oder ideologischem Schubladendenken leiten lassen. Und sich auch schon einmal fragen, was denn wohl für eine Einstellung hinter seinen Vorbehalten oder Vorurteilen steckt und ob die nicht evtl. "klerikalistisch" ist.
      Klerikalismus ist, wie unser Heiliger Vater seit langem betont (und dabei im Grunde Drewermann aufgreift), die eigtl. Pest unserer Priester, und W. Müller bietet da Heilungsansätze, die man unvoreingenommen bedenken sollte, finde ich.

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  5. Was der Journalist vom Deutschlandfunk
    unterschlägt: Wunibald Müller ist längst im Ruhestand!

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  6. Dr. Müller ist mal mehr, mal weniger deutlich,
    je nach Öffentlichkeit und Publikum.
    Sein wahrer Standpunkt: DER ZÖLIBAT GEHÖRT WEG!
    Das sagt er aber nicht gerne so deutlich.
    Aus Rom hat er übrigens von Papst Franziskus
    eine knappe Antwort bekommen, ein klares NEIN !

    http://www.infranken.de/regional/kitzingen/Papst-lehnt-Lockerung-des-Zoelibats-ab;art218,1438774

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    1. Von einem "klaren NEIN" ist in dem Artikel aber nichts zu spüren. Man sollte (wie schon öfters angemerkt) immer seine Lesebrille mitnehmen und besonders selbst verlinkte Quellen eingehend studieren, bevor man analytische Kommentare dazu abgibt.

      Der verlinkte Artikel ist sehr interessant, weil er deutlich macht, dass W. Müllers Papstbriefe letztlich offenbar mit für das anstoßgebend waren, was gerade im Vorfeld der Amazonien-Synode geschieht.
      Die Antwort des Vatikans an W. Müller (die ich bislang nicht kannte) war scheinbar so etwas wie das erste öffentlich sichtbare Signal für diese Neuerungen, auch wenn der Vatikan Müllers Radikallösung einer universellen Lockerung damals noch nicht folgte und eine eher kleinschrittige Lösung ins Auge fasst, wie sie jetzt zu kommen scheint.
      Das ist typisch Franziskus und zeigt m.E., dass sich der Papst selbst mit W. Müllers Vorschlägen befasst hat und dies nicht bloß von Kurienbeamten beantwortet wurde. Beachtlich und einem verdienten Mann wie Müller auch sehr angemessen.

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    2. Gestatten Sie, dass ich lache, Jorge,
      aber viel mehr kann man wirklich nicht herbeikon-
      struieren als Sie!

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    3. Da kann man nur frei nach Helmut Markwort antworten:
      Lesen, lesen, lesen ;-)

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  7. Nicht Wunibald Müller ist unser Problem,
    zu dem kann man so oder so stehen,
    sondern die Frage, die Sr. Regina in ihrer Zuschrift nennt:
    Was haben die deutschen Bischöfe getan bzw. trotz Milliarden
    nicht getan?
    Ich erinnere mich an einen Fall, der zeigt, wie abschreckend
    und verheerend bischöfliches Verhalten sein kann, nach dem
    kaum noch ein junger Mann den Wunsch haben dürfte, sich im
    Priesterseminar zu melden:
    In Beckingen im Saarland war der konservative Pfr. Eckert
    sehr engagiert, nachdem ihn Bischof Ackermann dort einge-
    setzt hatte. Doch Eckert wurde zwangsversetzt, gegen seinen
    Willen und gegen den Willen der Pfarrgemeinde, obwohl
    (oder gerade wegen?) er in den zwei Jahren dort Tolles
    geleistet hat, Messdiener aufgebaut hat und die Kirche
    immer gut voll war.
    Mir ist auch ein Seminarist aus Trier bekannt (stand mal
    in der Zeitung), der dort weggegangen ist, weil er mit
    der modernen Linie der Bistumsverantwortlichen nicht klar
    kam. Und so wächst und gedeiht die Tätigkeit in den
    konservativen Seminaren...

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    1. Wie schon gesagt, mit "konservativen" Kandidaten (also in der Regel krankhaft religiösen oder unausgeglichenen Männern mit Anpassungsschwierigkeiten oder Schlimmerem) lässt sich in punkto Priestermangel nichts reißen, die verschlimmern das Problem noch und sind selbst nur ein Symptom der Krise.

      Mit Geld (oder gar Werbefeldzügen) lässt sich logischerweise auch nichts reißen. Reines Wunschdenken.

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  8. Ich würde gerne, ohne auf hier auf bei Lesern
    auffindbare Behauptungen nur die geringste Lust
    der Erwiderung von Absurditäten zu spüren,
    lieber wieder auf das eigentliche Thema zurückkommen.
    Der Bericht im Deutschlandfunk ist einseitig,
    da stimme ich dem "KREUZKNAPPEN" zu.
    Ich werde gleich eine Beschwerde an den Chefredakteur
    formulieren und absenden.

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  9. Ich kenne noch eine Lebensform,
    die ist weitaus exotischer als die von Priestern:
    Die von katholischen Journalisten, die meinen, sie müssten
    zeitgeistig über die Kirche schreiben und dabei die Theologie
    völlig aus den Augen verlieren...

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  10. Man muss sich ja nur mal die vielen Papiere und Broschüren
    der DBK anschauen; ganze Heerscharen sind mit der Erstellung
    beschäftigt, dann wird in den Diözesen und Stuhlkreisen
    konferiert, man müsste, man sollte, man könnte -
    und nichts geschieht.
    Alle Innitiativen wie z.B. die "MEHR"-Konferenz in Augsburg
    werden nur vorsichtig zur Kenntnis genommen, dort hat man
    trotz Bitte noch nicht mal einen offiziellen Vertreter der
    DBK hingeschickt.
    Man sollte aber auch wissen, dass die deutschen Bischöfe
    sich untereinander nicht grün sind. Man denke nur an die
    endlosen Debatten der letzten Jahre über das kirchliche
    Unternehmen "WELTBILD", wo mindestens 300 Millionen an
    Kirchensteuern versenkt worden sind, um es schließlich doch
    aufzugeben und einen Großteil der Angestellten auf die
    Straße zu setzen.
    Wenn ich unseren Pfarrer schon mal im PGR auf eine Idee
    oder einen Missstand anspreche, dann seufzt er nur und
    sagt im Hinblick auf die Kirche:
    "Lieber Herr .., glauben Sie mir, nirgendwo gilt der Spruch
    mehr als in der Kirche: DER FISCH STINKT VOM KOPF HER !

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