Dienstag, 13. Februar 2018

Bericht von einer Hostien-Umfüllaktion!

Wenn einer eine Reise tut,
dann kann er was erzählen. Noch voll von solchen Eindrücken anlässlich einer Hei-
ligen Messe, schildere ich nachfolgend mein Erlebnis und meine Gedanken dazu.
Und gerade bei solchen Erfahrungen gilt: Das ist nicht repräsentativ; es ist ein subjektiver Eindruck, also eher ein Frage-
zeichen als ein Ausrufezeichen. Man mag durchaus ganz anders darüber denken – und es mir gerne per Kommentar  mitteilen.

Während ich in meiner Heimatpfarrei den "Karnevalssonntag" mit Bütten-
predigt des Pfarrers verpasst habe und auch das vom Organisten so hin-
gebungsvoll während des Kommunionganges solistisch gespielte Lied
in deutlich erkennbarer Anlehnung an dieses hier (---> HIER !),
wollte ich anlässlich eines Treffens andernorts die Heilige Messe besuchen. 

.
Entgegen meiner Gewohnheit
war ich etwas spät dran, und im Eingangsbereich des Gotteshauses gab es einen Stau wie um einen Wühl-
tisch im Kaufhaus
. Etliche Gottesdienstbesucher legten Hostien von links nach rechts, von einem Körbchen 20 Zentimeter weiter in eine Zelebrationsschale. Das wollte ich mir etwas näher betrachten, und so stellte ich mich einige Schritte abseits, mit Blick zum Tatort. Die meisten benutzten dazu eine Art Gebäckzange, die dafür bereitlag. Ein etwas unsicherer älterer Herr nahm die Hostie mit zittriger Hand; die Zange hätte er nicht halten und zudrücken können…

Unter dem drohenden Blick
der Mama nahm ein Junge
nun die Zange und piekte
seine Schwester in den Hintern. Ein anderes Kind schaute schnell nach links und nach rechts, und schwupp – da waren drei oder vier Hostien
in seiner Jackentasche ver-
schwunden.
Augenscheinlich sind bei dieser Prozedur auch wirtschaftliches Denken und Familiensinn gefragt, denn einige Familien hatten einen der ihren dazu auserkoren, für die komplette Sippe diese diffizilen Umladearbeiten vorzunehmen.
Als ich mich in Anbetracht der knappen Zeit bis zum Beginn der Heiligen Messe schließlich zögernd entschloss, für meine Person ebenfalls diesen Hostien-Kurztransport zu starten, wurde ich von einem älteren Ehepaar leicht angerempelt: „Legen Sie doch bitte für uns auch zwei Hostien in die Schüssel!“ 

Klar, man hilft doch gerne, wo man kann. Mit leicht gestörter Auf-
merksamkeit feierte ich diese Heilige Messe mit, ab und zu in Gedanken
an den Sinn der Übung am Eingang.
Wozu hat man Internet? – Wieder daheim angekommen, verschaffte ich mir erst mal etwas Überblick. Es sind doch eine Vielzahl von Gemein-
den, die dieses Verfahren praktizieren. Die Idee ist offenbar ausbau-
fähig:
Auf einer offiziellen Liturgie-Seite lese ich einen begeisterten Be-
richt, wie alle Mitfeiernden jeder für sich eine Hostie zum Altar tragen. „Jede und jeder kann etwas von sich in mit in die Gabenbereitung hinein-
legen. Wir stellen unsere Welt vor Gottes Angesicht hin.“

.
Damit sind wir auch schon bei der Begründung für die Basis-Version dieser Praxis. Die Internetseiten einiger Pfarrgemeinden erklären diese Regelung eigentlich alle so, dass man damit symbolisiere, unser ganzes Leben mit seinen Sorgen, Bitten, Dank usw. in die Schale hineinzulegen und vor Gott zu tragen. - Ich stutze ein wenig: Und was machen wir dann z.B. bei den Fürbitten…?
Sogar die „Allgemeine Einführung in das Messbuch" wird gerne dabei als Begründung zitiert, in der es unter Nr. 49 heißt: „Sinnvoll und wünschens-
wert ist es, wenn die Gläubigen Brot und Wein herbeibringen…“
Hoppla, denke ich da: Kann es sein, dass ich den Weinvorrat zum Umfüllen im Eingangsbereich glatt übersehen habe?
Nein, natürlich nicht, denn so wörtlich nimmt man das denn doch nicht. Für mich ist es ohnehin naheliegend, dass die Formulierung im Messbuch auf die Messdiener bezogen ist, denn die sind schließlich in ihrem viel-
fältigen Dienst rund um den Altar ausdrücklich die Vertreter der Gemeinde und tun auch genau dies: Brot und Wein herbeibringen.
Man wolle mit diesem Verfahren erreichen, dass die Gläubigen „noch bewusster zur heiligen Kommunion gehen“. Es werde damit „deutlicher, dass es unsere Schöpfungsgaben sind – unsere Welt“, die da von der Gemeinde bereitgestellt und vom Besucher umgeladen werden.
Meine erste Reaktion darauf: Und was ist dann mit der Kollekte? – Wäre es dann nicht auch logisch, statt Geld von daheim mitzubringen, ebenso einen Vorrat an Münzen anzubieten und diesen stückweise von einer Schale in die andere zu verfrachten?
Ach, ich gerate immer mehr ins Grübeln. Sollen sie es ruhig so machen, die Kollegen. Mein Ding ist das wohl eher nicht...

.
Beispiel einer Pfarrei... --> KLICKEN !

Kommentare:

  1. Sie Ärmster!
    Da sind Sie statt in die Büttenpredigt und
    "Die Karawane zieht weiter, der Sultan hätt Durschd"
    in das neuzeitliche Hostien-Management geraten!
    Sehr anschaulicher Bericht,
    ich habe mitgelitten.
    Wir hatten das auch mal in unserer Pfarrei, das wurde
    aber aus ähnlichen Gründen wieder abgeschafft.
    Noch einen schönen Restkarneval!

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  2. Gut, dass der "Kreuzknappe" es mit Humor nimmt!
    Es ist eben so wie bei vielen liturgischen Neuerungen,
    dass sie nur aus dem mitmenschlich-sozialen Blickwinkel
    heraus gedacht sind - wir bringen unseren Alltag vor Gott!
    Was für ein Quatsch!
    In der Heiligen Messe gedenken wir des Leidens und Sterbens
    Jesu Christi und feiern seine glorreiche Auferstehung!

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    1. Die Opferung war traditionell das Wichtigste in der Messe. Wer nichts opfert, kann auch nichts mitnehmen und hat dann eben leider nichts von den Messfrüchten. Von daher liegt der Gedanke, das Brot selbst mitzubringen bzw. in die Schale zu legen doch nahe, zumindest von der ma. Messopferfeier her gedacht. Jdfs. kann man hier nicht von einer "Neuerung" sprechen, eher von einer Rückkehr ins Mittelalter.

      Vielleicht sollten einige Leute lieber Angenendt lesen als diese eher leichte Kost beim Kreuzknappen.

      Ist aber nicht neu. Ich habe mal eine Diskussion bei Peter Winnemöller erlebt, wo gestandene Erztraditionalisten allen Ernstes über die Kollekte debattierten und dieselbe für verzichtbar hielten bzw. erklärten, selbst oftmals nichts ins Körbchen zu legen (um die "Andacht" nicht zu stören oder die "modernistische" Kirche nicht zu unterstützen).
      http://archiv.katholon.de/?p=8963
      Die hatten gar nicht mehr auf dem Schirm, dass die Kollekte traditionell der Kern der Messe überhaupt war und dass man, wenn man nichts opfert, gar keinen Anteil an der Messfeier haben konnte. Daran kann man gut sehen, dass der ganze Traditionalismus von "Neuerungen" bestimmt und ein reines Fantasiegebilde ist.

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    2. Diejenigen, die die Hostienumfüllaktion praktizieren,
      haben offenbar noch nie eine Hl. Messe mit Papst
      Franziskus angeschaut.
      Dort wird sie nämlich ganz bewusst nicht praktiziert,
      und das sicher aus gutem Grund.
      Es ist nicht nur liturgisch höchst fragwürdig,
      da die Messdiener, wie der Kreuzknappe gut erklärt,
      die Gemeinde am Altar "vertreten", sondern auch
      theologisch:
      Jesus ist derjenige, der sich uns schenkt.
      Er ist es, der das Brot in seinen Leib und sein Blut
      verwandelt.
      Er ist der Geber, wir sind die Empfangenden.
      Aus diesem Grunde findet übrigens die Priester-
      kommunion laut Vorschrift nicht etwa am Schluss,
      sondern am Anfang der Kommunionspendung statt.
      Die vermeintlich vornehme Idee, der Austeiler lasse
      den Gläubigen höflich den Vortritt, ist theologisch
      daneben: Der Priester ist Empfangender, so wie die
      anderen auch.

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    3. Das kann man als tridentinisch Denkender so sehen, ist aber aus regulärer traditioneller Sicht eigtl. schon eine Protestantisierung der Messe.

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    4. Zu Leser Heinrich T.

      Das eucharistische Opfer ist „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“, erinnert bereits das Zweite Vatikanische Konzil.
      Es geht also nicht um Randprobleme oder gestalterischen Kleinkram, wenn an der Feier der Eucharistie herumgebastelt wird. Die Art der Feier des Altarsakramentes ist wie ein Seismograph: ganz empfindlich wird hier angezeigt, wie weit der Kern unseres Glaubens schon von Erschütterungen erfasst wird, aus denen später ein Erdbeben entstehen kann.

      In einer Instruktion „Das Sakrament der Erlösung“ bzw. „Redemptionis sacramentum“ zur erwähnten Enzyklika wird in acht Kapiteln detailliert erläutert, wie eine Heilige Messe gefeiert wird. Dabei werden keine neuen Vorschriften erlassen, sondern nur die bereits geltenden Richtlinien an einem einzigen Ort zusammengefasst. Manche dieser weltweit geltenden Klarstellungen zielen eher auf Missbräuche in anderen Teilen der Erde, viele aber auch auf die Kirche hier.
      Immer wieder kommt dabei das Anliegen zum Ausdruck, die Eucharistie vor Übergriffen und Gedankenlosigkeiten zu schützen.
      In diesem Zusammenhang wird über die Kommunion der Priester im 4. Kapitel unter Punkt 3 wörtlich ausgeführt:„
      „97. Sooft der Priester die heilige Messe zelebriert, muß er am Altar zu dem vom Meßbuch festgesetzten Zeitpunkt kommunizieren, die Konzelebranten aber, bevor sie zur Kommunionausteilung gehen. Niemals darf der zelebrierende oder konzelebrierende Priester bis zum Ende der Kommunion des Volkes warten, bevor er selbst kommuniziert.“
      (Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 55; Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 158-160; 243-244; 246.)

      Wenn die heimischen Liturgie-Bastler dies bewusst ignorieren, liefern sie den Gläubigen nicht nur ein schlechtes Beispiel, was das Einhalten von kirchlichen Regeln betrifft. Sie demonstrieren damit nicht nur, dass ihnen eigentlich schnurzegal ist, was allgemein gültig und beschlossen ist. Sie liefern nicht nur all denen Argumente, die ebenfalls machen, was sie wollen, z.B. unwürdig zur Kommunion gehen.

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    5. Klar, die Liturgie ist die Fernbedienung, mit der Tradi Gott rumkommandiert ;-)

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  3. Ich habe das schon ein paar Mal erlebt; ich dachte immer, der Grund ist der, dass man nachher nicht zu viele Hostien übrig haben will - oder zu wenige, je nach dem. In einer Kirche, wo mehrmals in der Woche die Hl. Messe gefeiert wird, halte ich es daher für unnötig, weil man ja den Tabernakel hat. Jedenfalls dachte ich immer, es habe rein praktische Gründe, und sah überhaupt keine Symbolik darin.

    Vor einigen Monaten war ich in einer Kirche, wo es - aus welchem Grund auch immer - auch so gemacht wurde. Dort beobachtete ich eine Frau, die versehentlich die falsche Transportrichtung nahm, also eine Hostie aus der goldenen Hostienschale zurück in die Vorratsschale legte. Anscheinend war es nicht deutlich genug, welche Schale welchen Zweck hatte...

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    1. „der Grund ist der, dass man nachher nicht zu viele Hostien übrig haben will“ Weswegen es bei manchen Lutheranern so gemacht wird. Oder es gibt ein Buch, in das man sich vor Beginn der Messe einträgt, um damit die Absicht mitzuteilen, am Abendmahl teilnehmen zu wollen. Dort gibt es schließlich auch keinen Tabernakel.

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  4. Dann müsste aber nach dem Modell, dass die Gläubigen
    vor der Messe "ihre" Hostie einlegen,
    auch bereits v o r der Messe die Kollekte erfolgen
    in Form von bereitstehenden Körbchen.
    Aber da traut man kirchenamtlicherseits den Gläubigen wohl
    nicht über den Weg, es könnte ja jemand was stibitzen?!

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