Montag, 12. Februar 2018

Priester kritisiert Priesterkollegen: Wo sind sie denn, die wirklichen Seelsorger?

Einer meiner katholischen Bloggerkollegen griff im Jahr 2013 ein altbekanntes Problem-
thema wieder mal auf: das priesterliche Vorbild.
Wir haben eben nicht nur
Priestermangel, sondern leider auch mangelhafte Priester.
Der verlinkte Blogger weiß, wovon er da schreibt: Er selbst ist Pfarrer und außerdem zuständig für
die Ministrantenseelsorge im Bistum Speyer. Sein Artikel ist schon
so etwas
wie ein Hilferuf. Immer wieder nähmen Menschen mit ihm Kontakt auf, die in ihren Gemeinden mit Priestern leben müssten, die zwar durchaus engagiert die Heilige Messe feierten, aber nicht wirklich Seel-
sorge bei den Menschen betrieben. ---> KLICKEN !

Ich selbst habe auch Priester erleben dürfen, die mich mit ihrer Fröm-
migkeit und ihrem Verhalten ganz tief beeindruckt und geprägt haben.
Und ebensolche, bei denen ich den Kopf gar nicht genug schütteln konnte.

Da war zum Beispiel der Priester, den man nicht zu suchen brauchte.
Man wusste, im Zweifelsfalle würde man ihn auf Knien in der Kirche antreffen. Er roch es geradezu, wenn man Kummer hatte und fand für alle viel Zeit und das richtige Wort im richtigen Moment.
Es war ihm äußerst unangenehm, wenn man ihn auf kirchliche Schwächen ansprach, und er litt geradezu körperlich unter den Nachlässigkeiten einiger Mitbrüder im Amt.
Und da war der Quittungsjäger. Seine Sekretärin spöttelte, er würde am liebsten noch das Rangieren des Autos in die Garage im Fahrtenbuch dokumentieren. Er rechnete jeden Cent zu seinen Gunsten penibel ab.
Ich musste mich mal auf seine Bitte hin mit seiner Steuer-Erklärung be-
fassen und staunte nicht schlecht: Er, der von der Kanzel regelmäßig zu großzügigem Spenden aufrief, hatte selbst nur eine einzige Spende getätigt, und die für eine Priester-Organisation. Sein Weinkeller war voll mit ganzen Kisten edelster Weine, neben ausgiebigen Reisen ein weiteres Hobby.
Nicht vergessen kann ich den Pfarrer, der das krasse Gegenteil war.
Ich weiß nicht, wie er finanziell über die Runden kam, aber er hatte ein Auge für die Not in seiner direkten Umgebung. Da wanderten auch mal 500 Euro aus eigener Tasche - ohne Quittung! - in die Hände einer Familie in Not. Einen ehemaligen Kollegen, der aus persönlichen Gründen den Dienst quittiert hatte und der nun im wahrsten Sinne des Wortes arm dran war, unterstützte er monatlich mit einer ansehnlichen Summe.
Priester sein: Ist allen "Amtsträgern" eigentlich bewusst, wie sehr sie für ihre Gemeinde Vorbild sein können, aber auch umgekehrt:
wie sehr sie in ihrem wenig schmeichelhaften Verhalten geradezu zu einem laxen Christentum verführen?

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>                                   Den Direktlink zu diesem Video gibt's ---> HIER !

Kommentare:

  1. Diözesaner Bürohengst12. Februar 2018 um 17:26

    Wir sollten uns aber auch von der fixen Idee verabschieden,
    dass Christus nur "Supermänner" erwählt.
    Das war schon bei seinen Jüngern damals nicht so,
    und auch heute gibt es Priester, die eine Schande für ihren
    Berufsstand sind, wie es dies in anderen Berufen auch gibt.
    Hier sind die Bischöfe gefordert, ihre "Pappenheimer"
    im Auge zu behalten!

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  2. Manche (!) Priester sitzen auf einem hohen Ross,
    weil sie denken, ihnen kann keiner was, solange sie keine
    silbernen Löffel stehlen.
    Das kann so krass sein wie in einem Fall, den meine Tochter
    erlebt hat, die als Pfarrsekretärin arbeitet.
    Der als etwas egozentrisch bekannte Pfarrer beharrte immer
    auf seinen Rechten, so z.B. auf seine freien Zeiten.
    Als eines montags (der zelebrationsfreie Tag!) das Telefon
    im Pfarrbüro klingelte und der Generalvikar anrief und
    die Sekretärin fragte, ob er den Pfarrer mal sprechen könne,
    erklärte sie wohlweislich in Anbetracht seiner Launen,
    sie müsse erst nachsehen, ob er da sei - und das, obwohl sie
    ihn noch zehn Minuten vorher im Büro gesehen hatte.
    Sie suchte also den Pfarrer, der sich gerade für einen Aus-
    flug ankleidete und teilte ihm mit, der Generalvikar wolle
    ihn sprechen.
    Der Pfarrer wörtlich: "Sagen Sie dem Generalvikar, ich
    habe heute meinen freien Tag, er soll morgen wieder anrufen!"
    ...

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    1. Da möchte ich den betr. Priester verteidigen. Der freie Tag in der Woche ist ein Menschenrecht, weil Gott ihn als Sabbat bereits in seiner Schöpfung wohlweislich so eingerichtet hat. "Am siebten Tag sollst du ruhen"...

      Das darf nicht nur, das muss auch für Priester gelten. Auch sie sind schließich keine Über- sondern nur Menschen wie wir alle.

      Es ist, aus naheliegenden Gründen, bei allen Pfarrern so, nicht nur in der katholischen Kirche, dass der Montag der "Pfarrersonntag" ist.

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  3. ein Priester (76 Jahre)12. Februar 2018 um 19:45

    Letztlich ist es eine Frage, welches Priesterbild
    man hat. Es gibt die Priester, die sind Sakramenten-Beamte,
    die sind vier Wochen im Jahr verreist, vier Wochen auf
    Lehrgang, zwei Wochen auf Exerzitien, drei Wochen krank-
    geschrieben, und die stellen, wie wir uns hier im Blog
    an die Diskussion erinnern, abends oder von Hl. Abend bis
    Anfang Januar auf Anrufbeantworter.
    Und es gibt diejenigen, die überzeugt sind, dass sie von
    Jesus herausgerufen sind, die wirklich in der Nachfolge
    Jesu leben, die gucken nicht auf pingelige Abrechnung der
    Freizeit, die sind wenn's sein muss, auch nachts um 2
    am Telefon und fahren los zu einem Sterbenden usw.
    Da liegen Welten dazwischen.

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    1. Grundsätzlich gebe ich Ihnen, Hochwürden, Recht. Es ist eine Frage des Priesterbildes, oder moderner ausgedrückt: der eigenen Professionsethik. Freilich meine ich, dass es durchaus auch Wege gibt, das eine "Modell" mit dem anderen zu verbinden. Nach dem hehren, aber auf die Dauer mörderischen Leitwort Pfarrer zu sein "Ein Pfarrer ist immer im Dienst", ist auf die Dauer auch unverantwortlich.

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  4. Mein Gott, was ist dieses amerikanische Filmchen für ein klerikalistisches Schmalzvideo. Da schlottern einem die Knie vor selbstbeweihräucherndem Priester-Kitsch.

    Zudem klingt die Aussage des Regens bei Minute 1:45 nicht nur klerikalistisch, sondern m.E. geradezu häretisch. Ob ein Priester zu einem Sterbefall gerufen wird oder nicht, hat auf das Seelenheil des Sterbenden keinerlei Auswirkung.
    Das ist schlicht eine Falschinformation, die natürlich die krankhafte Selbstüberschätzung vieler Priester unterfüttert, sie seien etwas besonderes und würden von normalen Menschen dringend gebraucht. Dies aber ist genau die psychologische Falle, die so viele narzißtische Spinner in die Seminare treibt und die den Klerus so anfällig macht für geistliche Übel. Also Vorsicht vor Klerikalisten, der Papst weiß, warum er so oft vor diesem Völkchen warnt!

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    1. Wenn Priestern, wie nicht nur im Tradimilieu üblich, eingeredet wird, sie seien Christusse (Kardinal Meisner sagte in Bezug auf seine Weihe gern: "Da würde ich Christus"), darf man sich über den Zustrom narzisstisch-labiler Persönlichkeiten nicht verwundern.

      Es war ein Segen, dass die überhitzte Idee von B 16, "den Pfarrer von Ars", eine zwar "seeleneifrige", aber pathologische Person, zum Patron seines "Jahr des Priesters" zu machen, am Widerstand der Kurie scheiterte.

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  5. Pfarrer sind (außer ihrer heiligen Weihe) auch nur Menschen

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