Donnerstag, 5. April 2018

Alte Priester mit über 75 Jahren als Gottesdienst-Aushilfen: Eine Zumutung?

Was wäre wohl, wenn die katholische Kirche die pensionierten Priester nicht hätte, die im Alter von 75, 80 oder gar 90 Jahren noch mehr oder weniger regelmäßigen Aushilfsdienst tun? Gerade in der Urlaubszeit spitzt sich das Problem des Priestermangels wieder einmal deutlich zu, und so mancher Planer sucht händeringend nach Priestern als Vertretung.
Kein Wunder, wenn gerade dann auch wieder einmal der Ruf nach Ablösung solcher alter Priester laut wird, denn ihnen sei ein Aushilfsdienst eigentlich nicht zuzumuten.
Natürlich wird auch im Internet an einigen Stellen gejammert, wie un-
verantwortlich das doch von den jeweils zuständigen Bischöfen sei, solche gebrechlichen Menschen noch
die Stufen zum Altar hinaufzuzwingen.
Da liegen diejenigen „Lösungen“ auch gleich parat, die man heutzutage eigentlich schon erwartet: Zumindest die Predigt könne doch von Laien übernommen werden (als wenn dies für die Älteren ein Problem wäre!), und Gemeinden könnten doch so kreativ und ungehorsam sein, sich ein-
fach einen der zahlreichen Priester, die ihr Amt wegen Heirat oder ande-
rem aufgeben mussten, zum Dienst zu holen.

Wie mir scheint, wird da eine ganze Menge nicht verstanden.
Es wird so getan, als sei ein Leben als Priester genauso etwas wie eine Berufstätigkeit als Schlosser oder Bäcker. Pensionsalter erreicht – und tschüß!
Schon bei manchen anderen Berufen wird nicht so gedacht und gehandelt. Denken wir nur an ältere Ärzte, Künstler, Landwirte oder auch Politiker. Schaut man sich im Bundestag und im Europa-Parlament um, bemerkt man einen erstaunlich hohen Anteil von über 65-jährigen.

Ausgerechnet beim Priester soll das anders sein? – Als diese bei der Weihe ihr „ganz und gar“ versprachen, hat doch niemand die Worte hinzugefügt: „allerdings nur bis zum 70. Lebensjahr“.  Das grundlegende Missverständ-
nis liegt darin, das man verdrängt und vergessen hat, dass Priester sein weniger ein Beruf, sondern vielmehr eine Berufung ist. Ein Leben in Ganz-
hingabe vor Gott soll es sein, auch als Orientierung für die anderen, wie auch beim Thema Zölibat sichtbar wird. Es ist von der Theologie der Weihe her einfach unfassbar, glauben zu wollen, man könne und solle 30 oder 40 Jahre ganz aus der Feier der Eucharistie heraus leben und dann einfach abwinken und für immer die Koffer packen.

Ist es nicht auch so, dass gerade das Beispiel der älteren Priester imponie-
rend und ein tapferes Zeugnis des Glaubens ist? Ja, es macht vielen große Mühe, den Aushilfsdienst zu bewältigen. Auch ich habe Priester erlebt, die von Messdienern gestützt, am Altar gestanden haben. Die Gemeinde hielt damals den Atem an, als der 80-jährige mit sichtbar schmerzverzerrtem Gesicht die Stufen zum Altar bewältigte. Und doch war es ein großes Ge-
schenk, was er uns machte: Sein Credo ohne Worte brannte sich in die Herzen ein: Ich tue Dienst für den Herrn, bis ich wirklich nicht mehr kann oder umfalle.
War es nicht auch bei Papst Johannes Paul II. so? - In jüngeren Jahren hatte er kein andere Botschaft als die im Alter. Aber wie haben die Men-
schen erst mit ihm gelitten, um ihn gebangt und für ihn gebetet, als er unter allergrößter Kraftanstrengung vor die wartende Menge trat?!
Ja, wir haben Priestermangel. Doch gleichzeitig beklagen sich auch ältere Priester, dass sie auf’s Abstellgleis geschoben wurden. Einer Zeitung ge-
genüber hat es einer von ihnen so formuliert: „Es verletzt mich, wenn die Gemeinde regelmäßig am Sonntag Wortgottesdienste feiert und ich werde nicht darum gebeten, zu zelebrieren, obwohl ich da bin.“
Ja, wir haben Priestermangel, aber manchmal ist er auch gewollt, wenn Vertretungsmöglichkeiten nicht genutzt werden. Das geht sogar so weit, dass zur Verfügung stehende Priester von Gemeinden abge-
lehnt werden, weil man diese schlecht verstehe oder weil diese bei „lokalen Eigenliturgien“, um es mal vornehm zu formulieren, nicht so richtig mit-
spielen wollen.
Viele offiziell im Ruhestand befindliche Priester bestätigen, dass es ihnen auch seelisch gut tut, wenn sie nicht einfach ausgemustert werden wie ein altes Auto.                       
Es ist eben nicht das Alter, das Priester glaubwürdig macht oder nicht. Glaubwürdigkeit ist nicht an Lebensjahrzehnte gebunden. Da gibt es durchaus auch Priester, die erst gerade mal 40 sind, die sich eine große Scheibe von Einsatz und Überzeugungskraft des Papstes und vieler „alter Herren“ abschneiden könnten, statt alle Nase lang aus der Pfarrei ver-
schwunden zu sein, auf Fortbildung, auf Tagung, auf Erholungsurlaub
und wer weiß was – egal, Hauptsache weit genug weg…

Kommentare:

  1. Sabine Otterbach5. April 2018 um 14:58

    Genau so eine Debatte hatten wir auch in den pfarrlichen Gremien.
    Den "alten Herrn" will die Mehrheit nicht mehr, weil er so langsam macht und für die Messe fast eine ganze Stunde braucht.
    Alle anderen Priester sind schneller fertig.

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  2. Ganz herzlichen Dank für Ihre klare katholische Linie!

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  3. ein Priester (76 Jahre)5. April 2018 um 16:34

    Ein Beitrag, der von guter Kenntnis der Situation zeugt.
    Viele ältere Priester fühlen sich regelrecht ausgeschlossen,
    wenn trotz ihrer Erreichbarkeit lieber Wortgottesdienste
    gefeiert werden.

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