Montag, 2. April 2018

Erstkommunion mit Schwätzen und Stören: Muss der Pfarrer alles ertragen?

Es ist Erstkommunion in einem deutschen Städtchen. Was da so schön und feierlich beginnt, endet mit dem wütenden Aus-
zug von etlichen Gottesdienst-
besuchern, mit Artikeln in der lokalen Presse und einer Leserbriefschlacht im Blog
der Zeitung. 

Was war geschehen?
Pfarrer Schiffers hielt in Königswinter den Gottesdienst zur Erst-
kommunion, und die Kirche war natürlich gerammelt voll. Der Ge-
räuschpegel
während der Heiligen Messe stieg derart, dass der Pfarrer sich schließlich genötigt sah, deutliche Worte an die Gäste zu richten.
Das jedoch kam bei einigen gar nicht gut an, denn der Pfarrer hatte u.a. gedroht, die Messe abzubrechen, wenn nicht Ruhe einkehre. Als einige Eltern daraufhin die Kirche aus Protest verließen, schlossen sich weitere Besucher an und sorgten wohl auch dafür, dass die Zeitung eingeschaltet wurde.
Neben einem Bericht gab es in deren Blog einen erstaunlich kirchen-
freundlichen, wohlwollenden Kommentar einer Redakteurin, in dem diese erklärte:
"Pfarrer Udo Maria Schiffers hat die Unruhe gestört. Und er hat sich darüber beschwert. Mit Recht... Niemand wäre irritiert, wenn jemand in einem Klassikkonzert sich am lärmenden Nachwuchs stören würde. Warum regt man sich dann auf, wenn ein Pfarrer in seiner Kirche auf Ruhe besteht...?"
Mehr als 150 Leserkommentare nahmen im Blogbereich jener Zeitung zu den Vorkommnissen Stellung, und diese große Zahl ist allein schon sehr beachtlich und zeigt, dass hier ein Nerv getroffen wurde, so oder so. -
Da schreiben viele sinngemäß, dass sie sich mehr solcher Pfarrer wün-
schen, die Rückgrat zeigen. "Ich bin für klare Ansagen", meint einer und empfiehlt, vor Beginn der Messfeier klare Richtlinien "gut hörbar" zu verlesen.
Ein anderer mokiert sich über die Fraktion der Kaugummikauer und SMS-
Schreiber und findet: "Auf solche Besucher kann der Gottesdienst ver-
zichten"
. Dass es immer mehr Menschen gibt, die gar nicht mehr wissen, "wie Kirche geht", bestätigt ein anderer Leser.
Deutlicher wird jemand, der zugibt, sich "durch Kleinkinder und ihr lautes Schreien gestört" zu fühlen und erkennt die Ursache in den Eltern, die ihre Kinder einfach gewähren lassen. Viele Pfarrer sind bei solchen Gescheh-
nissen auch einfach hilflos, findet ein Gottesdienstbesucher, und es sei schon geradezu "ein Reflex, immer sofort Kinderfeindlichkeit zu unter-
stellen"
, wenn der Priester während der Messe zur Ruhe mahnt.
Derselbe Leser bringt es auf den Punkt, wenn er feststellt, eigentlich ver-
hielten sich diejenigen Eltern kinderfeindlich, die ihre Kleinkinder in
eine solche Veranstaltung mitschleppen. Und ergänzend fügt ein weiterer Kommentator hinzu, dass Eltern offenbar z.T. so wenig Einsicht haben, dass sie noch nicht einmal ein Fläschchen oder leises Spielzeug einpacken.
Mir selbst nicht ganz unbekannt ist auch der Erlebnisbericht eines Katho-
liken, der schon miterleben musste, wie "in den hinteren Bänken gegessen wurde" und versucht wurde, eine Zigarette anzuzünden. Man könne das Problem mildern, indem man auch zu solchen Feierlichkeiten ausdrücklich einen Kindergottesdienst anbiete, rät ein Profi, wobei ein anderer ergänzt, dass dieses Angebot gerade an solchen Tagen leider besonders von den Kirchenfernen nicht angenommen werde.

Eine "Großmutter von 15 Enkelkindern" ärgert sich über die Rücksichts-
losigkeit mancher Eltern, die den Kommunionkindern durch ihr unein-
sichtiges Verhalten diesen schönen Tag verderben.
Besonders krass empfand wohl ein Sportsfreund, der bei jener Erstkom-
munionfeier dabei war, den Lärmpegel, denn er formulierte, er habe sich "am Ende gefragt, ob ich in der Südkurve meines geliebten FC (Köln) war oder in einer Kirche". Ein Zeuge, der die Protestierer beim Verlassen der Kirche erlebte, schnappte auf, wie drei Männer "mit breitem Grinsen" erklärten, wie schön es doch sei, "schon früher mit dem Biertrinken zu beginnen".

Klar gab es in den Kommentaren auch die Gegenseite, wenn auch erfreu-
licherweise ca. zwei Drittel jenem Pfarrer Zustimmung signalisierten. Einer der Kritiker holte direkt die ganz große Keule hervor: "Dieser ka-
tholische Pfarrer ist untragbar"
, man solle ihm ein Disziplinarverfahren anhängen wegen seines kundenunfreundlichen Verhaltens.
Erfreulich ist, dass der Pressesprecher des Erzbistums Köln sich sofort hinter diesen Pfarrer stellte, indem er erklärte, bei einem Gottesdienst müsse eine würdige Atmosphäre herrschen, und jener Pfarrer sei ein sehr erfahrener Geistlicher.

So oder so ähnlich spielt sich die Erstkommunion sicher vielerorts ab. Offene Kirchentüren, Erwachsene, die rein und raus gehen, halblaute Gespräche im Kirchenvorraum, Rauchen statt draußen bereits im Kirchenvorraum und ähnliche Hässlichkeiten.
Die Frage ist: Was kann man dagegen tun?
Oder soll man alles so laufen lassen, weil es eben nicht zu ändern ist...?

Das hier zitierte Beispiel zeigt aber vielleicht auch, wie wichtig es ist, dass Katholiken vor Ort ihrem Pfarrer beistehen, z.B. durch entsprechende Meinungsäußerungen.
Pressebericht "Eklat bei der Erstkommunion" ---> KLICKEN !

(Dies ist die Wiederholung meines Blogartikels vom 7. Mai 2014. Weitere Artikel zum Thema "Erstkommunion" sind für die nächsten Tage geplant.)

Kommentare:

  1. Vielleicht hilft es, die Kandidaten vorher zu sichten und aufzuteilen. Dann kann man eine würdige Erstkommunionfeier für die katholischen Familien durchführen und für die Prolls gibt es dann eine separate Veranstaltung.

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    1. In welcher Abteilung dann die Familie von Arminius abzelebriert würde, ist aufgrund seiner Postings unzweifelhaft.

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    2. Ja, um die “Prolls“ kann sich ja dann “Arminius“ kümmern.

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  2. Möglicherweise ist da im Vorfeld schon etwas
    nicht sehr gut gelaufen. Bei uns gibt es jedenfalls bei
    den Elternabenden und vor Beginn des Gottesdienstes
    ganz klare Ansagen, und das klappt auch gut.
    Außerdem hat unser Küster zwei Leute zur Verstärkung,
    die im hinteren Kirchenbereich für Ruhe sorgen und
    nötigenfalls auch schon mal eine freundliche Geste
    Richtung Ausgang machen.

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  3. >>Was kann man dagegen tun?<<

    Wenn man in der Kirche von seiten des Klerus immer noch so tut, als würden die Gläubigen verstehen und begreifen was bei der Erstkommunion zu beachten ist und was nicht, dann wird sich die Lage verschärfen und keinesfalls entspannen. Wenn ein Pfarrer schon so verzweifelt ist und androht die Messe abzubrechen, dann sollte man doch auch in der Lage sein, eine "klassische" Erstkommunion erst gar nicht mehr durchzuführen. Also was man dagegen tun kann?; dieses ganze Brimborium (Dienstleistung für Familienfeiern) abschaffen in die Tonne damit. Dass wir uns schon lange in einem Schrecken ohne Ende befinden, müssen wir uns allerdings eingestehen. Sonst wird das nämlich nix.

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    1. Dann müßte man auch so konsequent sein, auf die Kirchensteuer dieser Leute zu verzichten.

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    2. Das wird die Kirche niemals tun. Weil sie dann ganz schnell von der Volks- zur Freikirche würde. Und das wollen dann ja auch unsere Tradis gar nicht.

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    3. @Arminius

      Wenn die Kirchensteuer ausschließlich so verstanden wird, dass der Christ eine Dienstleistung verlangen kann, dann hat man den Sinn von Kirchensteuern nicht verstanden. Das geht m.E. am Thema vorbei. Zig Millionen Christen feiern Erstkommunion ohne vorher eine Steuer zu entrichten. Ich glaube ja nicht an die Kirchensteuer, sondern an Jesus Christus, der in der hl. Kommunion wirklich und wahrhaftig gegenwärtig ist. DAS muss Gegenstand einer Kommunionvorbereitung sein und nicht das Gewand, das Essen oder die Geschenke.

      @Ursula

      Die Kirche ist, egal wie viele Steuern sie einnimmt oder welche Tradis in ihr das Sagen hätten, mitnichten eine Volkskirche. Von dieser Mär sollten sie sich verabschieden.

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    4. @Herr Franken:
      das sehen Ihre traditonalistischen Freunde aber ganz anders. Die wollen ja am liebsten wieder den "katholischen Staat" restaurieren. Und natürlich: in den Köpfen zumindest der "Konservativen" ist immer noch das Leitbild der "Konstantinischen Kirche" stabil. Und die war das Urbild der Volkskirche.

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  4. Es gibt aber auch das genaue Gegenteil:
    Die allermeisten Erstkommunionfeiern verlaufen unproble-
    matisch und halbwegs würdig, da bin ich mir sicher.
    Wenn es im Einzelfall anders ist, dann würde ein gründliche
    und schonungslose Analyse sicher von Nutzen sein.
    Manchmal ist es z.B. so, dass irgendwelche Prominenz im
    Ort mit dem Pfarrer im Clinch liegt und keine Gelegenheit auslässt, diesen schlecht zu reden.
    Da kann es im Extremfalle passieren, dass man als Pfarrer
    besser die Versetzung beantragt.

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    1. So schlecht wie er ist, kann man den Pfarrer vor Ort hier gar nicht reden. Ich gehe manchmal gerne einfach so zu einer Erstkommunion, das ist oft lustiger als eine Comedyshow im Fernsehen

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    2. Dass Sie ein Troll sind, Samaji,
      das war schon länger klar.
      Folgen Sie meinem guten Rat:
      Zuviel Alkohol ist ungesund!

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    3. Aus Leser "Samaji" spricht nicht nur bitterer
      Sarkasmus, sondern letztlich Menschenverachtung.
      Offenbar frühkindliche Probleme, die nicht
      verarbeitet wurden.

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    4. Ich meine, Samaji
      ist schlicht ein Lügner und Wichtigtuer.
      Dass er in die Kirche geht, weil er dort "Comedy"
      erleben will, zeigt im übrigen, wes Geistes Kind
      er ist.
      Ich begreife nicht, warum der Kreuzknappe solche
      Lästermäuler freischaltet.

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    5. Der Eindruck, dass es bei Erstkommunionen oft zugeht wie in einer Comedy-Show, könnte durchaus auch aus einer kritischen Tradi-Perspektive kommen. Pseudo-tiefenpsychologische Ferndiagnosen von solchen Postings sind absolut daneben.

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    6. Mich als Lügner hinzustellen ist eine Verleumdung und eine Frechheit, vor allem wenn man keine Ahnung hat wie es in der Gemeinde vor Ort so zugeht.

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    7. Samaji,
      wer den Gottesdienst als "Comedy" ansieht,
      hat sich selbst von ernsthafter Diskussion verabschiedet.
      Ich vermute auch, dass manches, was Sie vor Ort
      erleben, eher Ihrer ausgeprägten Einbildungskraft
      zuzurechnen ist.

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    8. Geschätzter Trierer21, da Sie so vehement gegen meine Kritik wettern könnte man fast den Eindruck gewinnen Sie fühlen sich persönlich angegriffen. Und nur weil Sie sich gewisse Dinge einfach nicht vorstellen können, bedeutet das nicht dass es sie nicht gibt oder dass andere sie nicht erlebt haben

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    9. Gebe @Jürgen da Recht. Das gilt im Besonderen, wenn sich der Autor solcher Mutmaßungen als echter Psychotherapeut ausgibt. Finde ich als echter Sozialpädagoge extrem unprofessionell, kopfschüttel.

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  5. In einigen Orten läuft es wirklich gut,
    wahrscheinlich auch wegen der glasklaren Absprachen
    und Anweisungen durch den Pfarrer auf dem Elternabend.
    Andernorts geht's schief, was z.T. auch an den kirchenfernen
    Verwandten liegt, die seit Jahren keine Kirche mehr von innen
    gesehen haben.
    Ich habe selbst miterlebt, wie sich einer hinten in der Kir-
    che eine Zigarette angezündet hat. Der wurde aber schnell
    hinausgebeten.

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