Freitag, 6. April 2018

Priester-Scheitern: Wirklich eine Zölibatskrise - oder doch hauptsächlich eine persönliche Krise?

Wir wissen hoffentlich längst, dass Deutschland nicht der Bauchnabel
der katholischen Welt ist, auch wenn manche das bei hochgekochten Kon-
flikten meinen.
Hier bei uns wird gerne und häufig auf hohem Niveau gejammert, während man anderswo darüber bestenfalls den Kopf schüttelt.
Ich hatte das große Vergnügen, mit einem afrikanischen Priester ausführ-
lich sprechen zu können.
Der ist entsetzt über das Gejammer hier, aber auch über die Glaubens-
schwäche in Deutschland
, und
er empfiehlt unseren wohlsituierten Nörglern, mal ein Jahr lang mit allen Konsequenzen in seiner Heimat zu leben und zu arbeiten...  -- Das bedeutet nicht, dass der afrikanische Priester Mitbrüder im Priesteramt nicht ernst nimmt, die in ihrer Not
z.B. in Münsterschwarzach Hilfe suchen.
Etwas ärgerlich ist jedoch nicht nur er, wenn gewollt oder ungewollt der Eindruck erweckt wird, an Lebenskrisen von Priestern sei automatisch
immer nur der Zölibat schuld. Der Zölibat hat manche in eine tiefe per-
sönliche Krise gestürzt, das mag schon sein und ist in jedem Einzelfall
sehr bedauerlich.
Aber die Ehe hat auch viele Männer und Frauen in eine Krise gestürzt oder endete gar in der Scheidung. Aber ist deshalb die Institu-
tion der Ehe wirklich die Ursache für ihr persönliches Scheitern?
Spielen da nicht ganz andere Faktoren und auch die persönliche Disposition eine große Rolle?

Etwas salopp formuliert: Man sieht das auch bei Versagen und Schick-
salsschlägen: Während der eine darin einen Grund sieht, Selbstmord zu begehen (z.B. wenn man vom geliebten Partner verlassen wird), rafft sich der andere nach einer Phase des Schmerzes auf und wird zum Kämpfer...

Trotz Zölibat steigt die Zahl der Priester weltweit, und wenn
man weiß, dass Priester statistisch gesehen älter werden als der Durch-
schnitt der Männer, spricht das auch nicht unbedingt gegen die Belas-
tungen in ihren Beruf. 

Wer sich die Gesichter im nachfolgenden Video betrachtet, dürfte auch Mühe haben, unglückliche Geistliche zu sehen.
Mit anderen Worten: Man sollte nicht das Autofahren schlecht reden, nur weil manche damit einen schrecklichen Unfall gebaut haben...


                                  Den Direktlink zu diesem Video gibt's ---> HIER !

Kommentare:

  1. Den etwas zu wohlfeilen Beitrag könnte man mit einem anderen afrikanischen Geistlichen etwas in die richtige Richtung lenken ;-)

    http://katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/erzbischof-zieht-ns-vergleich-in-migrationsdebatte

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  2. Bekanntlich haben die Evangelischen einen ebenso
    großen Pfarrermangel.
    Das zeigt doch schon, dass der Zölibat nicht das Problem ist.
    Meine Vermutung:
    Das eigentliche Problem ist die Angst und/oder Unfähigkeit,
    sich ein Leben lang zu binden, zu verpflichten.
    Darum heiraten auch immer weniger junge Leute.

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  3. Diözesaner Bürohengst6. April 2018 um 16:47

    Man muss die Spielchen kennen, die da gespielt werden.
    Regel Nr. 1: Immer sind die anderen schuld, nie ich selbst.
    Das kennt man aus der Psychologie und das funktioniert auch
    prächtig zur Verteufelung von Minderheiten.
    Regel Nr. 2: Ich habe mich doch sooo bemüht...!
    Auch da ist die Frage, ob das "Ja" zum Zölibat immer aus
    echter Christusnachfolge erfolgt ist - oder ob es andere
    Motive gab, wie z.B. das erhoffte Ansehen als Priester.
    Solche Fassaden bekommen im Laufe der Jahre immer größere
    Risse!
    Eine groß angelegte Untersuchung in Österreich zeigte,
    dass sensationelle 72 % der Priester mit dem Zölibat durch-
    aus zufrieden sind und ihn als hilfreich ansehen.
    Wenn man das mit der Berufszufriedenheit anderer Branchen
    vergleicht, fällt der hohe Wert sofort auf.

    https://www.erzdioezese-wien.at/site/home/nachrichten/article/55522.html

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  4. Das ewige Verteidigen des Zölibats mit dem Verweis,
    wer da als Priester abspringe, habe wohl einen seelischen Schaden, ist schlicht unverschämt, wenn auch üblich bei den "Tradis".
    Tatsache ist, dass viele Priester unter dem Zölibat und der Einsamkeit sehr leiden, was mitunter Folgeprobleme wie Alkoholismus zur Folge hat. Der Zölibat sollte nicht mehr Pflicht, sondern freiwillig sein!

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    1. @Pastoraltiger:

      Vor vielen Jahren kannte ich eine revolutionäre Dame (die mehr über mich und meine Lebensumstände erschreckt war, als ich über sie), die allen Ernstes (und insofern angemessen energisch) forderte, daß sich häßliche Menschen einen Partner mit einem attraktiven Menschen zu teilen, ein staatlich verbrieftes Recht einzufordern hätten, ja, dies sollten. Teile!
      Teile! Auch Deinen hübschen Partner mit einem/r Versehrten(In)!
      Das ist christlich!
      Die Dame war eine erklärte Feministin aus Manchester, traf sie in Hamburg anläßlich einer Hochzeit.

      Soweit die Anekdote aus dem Leben.
      Zurück zu Ihrem Anliegen: Die Ehe ist kein Recht.
      So ideal dies christlich sein mag, (noch) geht das nicht.
      Noch?

      Ja! Noch!
      Wie christlich überhaupt vermag diese Welt zu sein?

      Sind wir nicht pragmatisch katholisch, weil christlich gar nicht geht?

      Denken Sie einmal darüber nach?

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  5. Eine Krise des Sakraments?
    Eine Krise aller Sakramente?

    Das Zölibat (unvermählt lebend) ist hervorragend und ungewöhnlich eine ureigene Sache des Priesterstandes.

    Eine Zeit, die keine Stände kennt, reibt sich daran.

    Priester stehen zwischen dem Atommenschen und seinem Gott, sperrig, verstörend.

    Doch den Vermittler braucht nicht nur das Handeln.
    Was der Welt der Handel, ist dem Geist der Priester.


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    1. Solange die Tradis den Menschen so verächtlich sehen,dass sie ihm nicht zutrauen, einen persönlichen direkten Zugang zu Gott zu bekommen, sondern nur durch einen priesterlichen "Vermittler", solange geht es mit der römischen Kirche bergab. Die Menschen von heute lassen sich nicht mehr unmündig halten. Wenn von der Lügenpresse noch von der Kirche.

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    2. @Die5Fragezeichen: Was haben Sie denn geraucht, als Sie diese Sätze formuliert haben? Maria hilf....

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