Donnerstag, 8. September 2016

Prof. Sternberg (ZdK) reagiert ungehalten auf Bürokratie-Kritik von Papst Benedikt XVI.

Nun weiß ja jeder, dass auch das Zentralkomitee der Deut-
schen Katholiken (ZdK) einen respektablen Büroapparat hat. Ob er sich deshalb von der aktuellen Kritik von Papst Benedikt angesprochen fühlt, wie sie dieser im Interview-
Band "Letzte Gespräche" äußert (siehe auch meinen Artikel von heute Mittag)? --  Jedenfalls gibt er dem päpstlichen Kirchen-
kritiker öffentlich Kontra - die pauschale Kritik an der Bürokratie in der Kirche Deutschlands treffe nicht zu: "Wir haben hoch engagierte und sehr gute Leute", kann man in seiner Entgegnung z.B. bei "katholisch.de" lesen. ---> HIER !

Mir scheint allerdings, hier wird Papst Benedikt bewusst etwas miss-
verstanden, denn Sternberg stellt es quasi so dar, als hielte Papst Benedikt die Ordinariatsmitarbeiter in Deutschland für faul und überflüssig.

Beim Kölner "domradio" gibt's dazu auch einen Artikel, da sieht das schon ein wenig anders aus: Dort wird erwähnt, dass Papst Benedikt sich dabei z.B. auf die Mentalität von Mitarbeitern bezieht, die der Kirche eher wie Gewerkschaftsführer gegenüber stehen, die ihren Arbeitgeber durchaus kritisch sehen. ---> HIER !
Gemeint ist "sentire cum ecclesia", mit dem Herzen dabei sein und mit-
fühlen, sich verantwortlich fühlen. Schön formuliert z.B. ---> HIER (pdf).

Vielleicht haben da beide ein Stückchen recht, aber man sollte auch den internationalen Vergleich sehen: Keine Ortskirche ist bürokratisch so mächtig aufgestellt wie die deutsche; andernorts wird viel mehr von Ehren-
amtlern erledigt. In Deutschland, so auch mein Erleben, hat sich eine Ten-
denz entwickelt, die Verantwortung dann eben an die "Hauptamtlichen" abzugeben.
Beispiel:  Während die Pfarrgemeinde früher die Kranken besuchte und für diese auch Erledigungen machte, schiebt man das jetzt mancherorts auf die CARITAS, die hat schließlich Personal dafür.

Oder - das wurde mir von einem pastoralen Mitarbeiter glaubhaft zuge-
tragen: Der Generalvikar ruft an einem Montag in einem Pfarrbüro an und will dringend den Hauptamtlichen X.Y. sprechen, der zufällig gerade im Hause ist. Der gibt dem Kollegen am Telefon jedoch Signal, er sei nicht da, und erklärt ihm nachher: "Das sehe ich doch gar nicht ein, ich habe mon-
tags meinen freien Tag
. Der soll gefälligst morgen anrufen...!"

Kommentare:

  1. Es gibt jedenfalls mehr Bürokratie in der deutschen Ortskirche als Katholiken im ZDK.

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  2. Interessant und verdächtig ist,
    dass Sternberg in diesem Zusammenhang auch
    Kirchenaustritt und verpflichtende Kirchensteuer
    anspricht.
    Geht es ihm hauptsächlich daraum, dass die Einnahmen
    für die Bürokratie und die Stuhlkreise auch weiter
    kräftig sprudeln?
    Während man ständig lauthalts seitens des ZdK schreit,
    die Kirche solle doch gegenüger den wiederverheiratet
    Geschiedenen Barmherzigkeit walten lassen,
    trifft die Kirchensteuer-Austreter die volle Wucht
    des Zorns: Nein, wer nicht zahlt, der darf auch nicht
    katholisch sein!
    Hauptsache Geld! - Dass 90 % der Gläubigen schon gar
    nicht mehr in die Gottesdienste kommen, ist neben-
    sächlich, so lange sie zahlen.
    Herr Sternberg ist durchschaut....!

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  3. Müsste nicht auch nach einer Wartezeit jeder Einzelfall
    bei Ausgetretenen im seelsorglichen Gespräch geprüft werden?
    Genau dies forderte übrigens der Vatikan von den deutschen Bischöfen, als sie vor Jahren Menschen kategorisch aus der Kirche ausschlossen, die ihrer Pflicht zur Zahlung von Kirchensteuern aus welchen Gründen auch immer nicht mehr nachkamen.
    Die grundsätzliche Frage bleibt doch: Warum darf man
    solche Menschen ausschließen, die vielleicht aus ihrer persönlichen Sicht ganz verständliche Gründe haben,
    wegen der Steuer der Kirche den Rücken zu kehren?
    Es gibt sicher etliche Fälle, denen die finanzielle
    Last einfach zu groß ist und die jeden Euro dringend brauchen.
    Ich halte die Äußerung Sternbergs für skanalös!

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  4. Mag er sie auch nicht faul genannt haben, überflüssig findet Benedikt die nichtklerikalen Mitarbeiter in der Kirche allerdings. Was eine Unverschämtheit gegenüber Zehntausende ist, die durch ihre Arbeit mehr für die Kirche tun als viele Kleriker.

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  5. ein Münchner auf Erden9. September 2016 um 03:52

    Getroffene Hund bellen!
    Papst Benedikt wusste, warum er schon vor vielen
    Jahren die "Entweltlichung" der Kirche forderte.
    Bei jeder neuen Bischofseinführung sieht man,
    wie eng verwoben mittlerweile Kirche und Staat sind,
    und unsere Bischöfe werden vom Staat bezahlt.
    Da überlegen die sich zweimal, was sie sagen....

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  6. ein Priester (75 Jahre)9. September 2016 um 04:48

    Prof. Sternberg ist belesen genug, um zu wissen,
    wie Papst Benedikt das gemeint hat.
    Seine neuerlichen Ausfälle gegen den em. Papst
    zeigen, wie recht jener hat.
    Das ZdK insbesondere ist ein bürokratischer Apparat,
    der durchaus entbehrlich ist.
    Die Schilderung des KREUZKNAPPEN mit dem Hauptamtlichen,
    der sich weigert, mit dem Generalvikar zu sprechen,
    ist gar nicht untypisch für die Hochnäsigkeit und
    innere Kirchenferne mancher Kirchenfunktionäre (wozu
    auch manche Priester zählen) in Deutschland.
    Ich habe ähnliche Vorfälle immer wieder selbst erlebt
    und erzählt bekommen.

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