Sonntag, 18. März 2018

Über die Hälfte der Priester geht selbst auch kaum beichten...!

Im April 2015 wurde die bislang größte Studie über Seelsorger, ihre Probleme und ihre Berufs-
zufriedenheit vorgestellt; ich schrieb sofort darüber.
Die Ergebnisse sind z.T. er-
staunlich, inbesondere auch, weil sich entgegen allen Er-
wartungen zeigte, dass die Priester und pastoralen Mit-
arbeiter weitaus zufriedener mit ihrem Beruf sind als der Querschnitt der Bevölkerung. ---> HIER !

Inzwischen liegt nicht nur die ausführliche Form des Textes für die Pressekonferenz als pdf-Datei vor, sondern auch ein paar Kommentare, die sich mit Details beschäftigen. Es war mir auch schon aufgefallen, aber ich wollte gerne erst mal abwarten, ob anderen das auch aufstößt, oder ob ich da vielleicht etwas überempfindlich beim Lesen war: Ein etwas irritieren-
des Teilergebnis ist die eigene Beziehung der über 8600 Antwortenden zur persönlichen Beichte.
Man erfährt nämlich, dass 54 % der befragten Priester nur einmal jährlich oder noch seltener zur Beichte gehen. Bei den Gemeindereferenten (88 %) bzw. Pastoralassistenten (91 %) sind es sogar fast alle, die dieses Sakrament selbst so nachlässig handhaben.
Nun gilt sicher bei diesem Thema: Wer bin ich, um darüber zu urteilen?
Es liegt mir ferne, dies lautstark zu kritisieren.
Eher bin ich traurig, wenn ich das lese. Die Priester predigen, feiern die Heilige Messe, tun dieses und jenes, und die meisten engagieren sich gewiss sehr.

Aber ist da nicht etwas faul, wenn die Hirten selbst kein Vorbild für ihre Schäfchen sind? Da liest man immer mal wieder kluge Überlegungen zur Beichtpastoral, und dann kommt heraus, dass die Mehrheit der Seelsorger selbst gar keinen rechten Bezug zum Bußsakrament hat. Oder ist das jetzt eine unzulässige Interpretation?
Es mag für ein solches Verhalten die verschiedensten Gründe geben, aber besonders optimistisch bezüglich der Zukunft des Bußsakramentes bin ich nach dieser Erkenntnis nicht...
Dass nur 58 % der Priester bei dieser Umfrage angaben, täglich (oder mehrmals täglich) zu beten, passt irgendwie zum Dilemma der lockeren Beichtpraxis, oder...?
Ausführlicher Pressetext (pdf) ---> KLICKEN !
Bloggerkollege Jürgen Niebecker fiel es auch auf ---> HIER !

Kommentare:

  1. So ist es.
    Das liest sich wie eine Zustandsbeschreibung der katholi-
    schen Kirche in Deutschland.
    Ganz ohne Vorwurf, aber man sieht, wie wenig eine innere
    Erneuerung stattgefunden hat, trotz Papst Franziskus.

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  2. Ist das eine Art heimliche Verweigerungshaltung?
    Andererseits:
    Seit einem Jahrzehnt sind die Bußgottesdienst so hoch
    gehandelt, dass die meisten der Meinung sind, man könne
    sowieso auf die Beichte verzichten.
    Vermutlich ist das noch nicht das Ende des Weges nach
    unten, es würde mich nicht wundern, wenn es die Beichte
    bald in Deutschland nicht mehr gibt.

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  3. ein Priester (76 Jahre)18. März 2018 um 18:19

    Ich zitiere wörtlich aus dem "Direktorium für Dienst und Leben der Priester", hrsg. von der Kongregation für den Klerus:

    "53. Beichten als Notwendigkeit

    Wie jeder gute Gläubige hat es auch der Priester nötig, die eigenen Sünden und Schwächen zu beichten. Er weiß als erster, daß ihn die Praxis dieses Sakraments im Glauben sowie in der Gottes- und Nächstenliebe stärkt.

    Damit unter besten Bedingungen und wirksam die Schönheit der Buße gezeigt werden kann, ist es wesentlich, daß der Diener des Sakramentes ein persönliches Zeugnis bietet und den anderen Gläubigen in der Erfahrung von Vergebung vorangeht. Dies ist auch die erste Bedingung für eine pastorale Wiederaufwertung des Sakraments der Versöhnung. In diesem Sinn ist es gut, wenn die Gläubigen wissen und sehen, daß auch ihre Priester regelmäßig beichten gehen:(170) »Die ganze priesterliche Existenz würde unweigerlich schweren Schaden nehmen, wenn man es aus Nachlässigkeit oder anderen Gründen unterließe, regelmäßig und mit echtem Glauben und tiefer Frömmigkeit das Bußsakrament zu empfangen. Wenn ein Priester nicht mehr zur Beichte geht oder nicht gut beichtet, so schlägt sich das sehr schnell in seinem priesterlichen Leben und Wirken nieder, und auch die Gemeinde, deren Hirte er ist, wird dessen bald gewahr«.(171)

    http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cclergy/documents/rc_con_cclergy_doc_31011994_directory_ge.html

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  4. Wenn ich beichten gehe, muss ich jedesmal anschließend meine Frau beruhigen (sie denkt, ich hätte sie betrogen, und droht mich zu verlassen, weil sie sich nicht vorstellen kann, was ich ansonsten zu beichten hätte). Das ist auf die Dauer nervig. Klammheimlich beichten gehen nervt auch, zumal meine Vertuschungsmanöver meine Frau ebenfalls hellhörig machen, z.B. wenn sie mich auf dem Handy in einem ganz anderen Stadtteil ortet als wo ich mich sonst aufhalte. Deshalb besuchen wir dieses Jahr den Bußgottesdienst und gehen nicht mehr beichten. Vielen wird es ähnlich ergehen, ich meine, das hat sich überlebt.

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