Montag, 30. April 2018

Kardinal Marx und die millionenschwere Villa in Rom...

Seit Mai 2015 ist es fertig,
das Begegnungszentrum der Erzdiözese München - und das mitten im Herzen von Rom und nicht allzu weit vom Vatikan - eine umgebaute Villa.
Grundsätzlich sollte ein (Erz-)
Bistum mit seinem Geld verant-
wortlich umgehen, insbeson-
dere in Zeiten, in denen an der Kirchenbasis handfest gespart werden muss, manche Kirche kaum noch geheizt wird und beispielsweise die freiwilligen Putzfrauen z.T. auch noch gebeten werden, die Putzmittel aus ihrem privaten Haushalt zu spendieren.

Hinter so manche Entscheidungen deutscher Diözesen, auch wenn sie hundertmal genehmigt sind, darf man doch ein vorsichtiges Fragezeichen setzen.
Die Kirche kann so manches tun, aber sollte sie das auch tun?

Ein Beispiel: Die Erzdiözese München hat in bester Lage in Rom eine ehemalige Villa erworben, die zum Gästehaus der Erzdiözese umgebaut wurde. Kosten geschätzt fast 15 Millionen Euro. Alles genehmigt und o.k.

So werden den Gästen also 13 Doppelzimmer, 3 Appartements, 2 Einzel-
zimmer, Kapelle usw. in der "Casa Santa Maria" zur Verfügung stehen, dem "Haus der Begegnung", z.B. für die Leitung der Erzdiözese, für
die Herren des Domkapitels, für Mitarbeiter des Ordinariates, für Mitglie-
der der Laienräte und für kleine Pilgergruppen, für Stipendiaten usw. -
 

Warum auch nicht?
Ob es aber für diese Gruppen wirklich erforderlich ist, für einen Rom-Aufenthalt solch ein Quartier zu haben?
Es gibt immerhin zahlreiche Gästehäuser, auch von Ordensschwestern geleitet, wo man ab 60 Euro gut versorgt unterkommt.
Was gerne unter den Tisch fällt, sind die laufenden Kosten: Das Erzbistum muss also die Ausgaben für den laufenden Betrieb des Hauses übernehmen (bzw. eine Stiftung mit entsprechendem Kapitaleinsatz dafür gründen), von der Kö-
chin bis zum Gärtner, vom Wassergeld bis zu den Steuern.
Da wäre es interessant zu erfahren, zu welchen finanziellen Konditionen da übernachtet werden darf. Was zahlt ein Mitglied des Domkapitels, und was zahlt ein Pilger?
Die Begründung für die Notwendigkeit des Hauses ist etwas schwammig: So könne man besser einer römischen Partner-
gemeinde begegnen, man könne durch Kontakte das gegenseitige Verstän-
dnis fördern, man könne sich begegnen und miteinander reden usw.
Das alles ist ja richtig, aber das könnte man in einem von Schwestern geführten Gästehaus auch.
Ja, man sieht seitens des Erzbistums einen Bedarf, und solch eine Ein-
richtung ist angenehm und hat ihre Vorteile.
Aber darf man alles reali-
sieren, was einem praktisch und angenehm erscheint?
Auch wir Normalchristen müssen sparen und Kompromisse eingehen.
Das würde einer Erzdiözese auch gut anstehen, zumal das dadurch frei werdende Geld in Millionenhöhe woanders konkrete Not lindern könnte, bis hin zu wesentlich größeren finanziellen Anreizen an Familien, sich für ein weiteres Kind zu entscheiden und nicht gegen es.
Also etwa: Wenn die Erzdiözese statt der Millionen für das Haus in Rom Schwangeren in Not für ihr Kind 2.000 Euro als Hilfe geben könnten, da würde das Geld lange reichen...
Nun gut, es ist wie es ist, jetzt lässt Kardinal Marx die Macht des Faktischen sprechen.
Das Haus ist für Besucher bereit, nun sollte man es auch nutzen. Begeisterung sieht bei mir allerdings anders aus...
                                           Beispiel eines schönen, relativ preiswerten Pilgerquartiers bei den Pallottinerinnen ---> HIER !
Anmeldeseite der "Casa Santa Maria"
---> HIER !                                              Kritischer Artikel in der "Süddeutschen Zeitung" ---> HIER !

Vorstellungsvideo des Hauses ---> HIER !

Kommentare:

  1. Ich gönne jeder deutschen Diözese solch eine Anlaufadresse
    direkt in der Nähe des Vatikans.
    Da kann man sich dann auch mal für Begegnungen der besonderen
    Art, z.B. vor der Bischofssynode, diskret zurückziehen, austauschen und planen.
    Allerdings weiß jeder, dass an Tagungs- und Pilgerhäusern in Rom wahrlich kein Mangel ist.
    Aber Geld spielt ja keine Rolle, vor allem, wenn es das Geld anderer Leute (sprich: Kirchensteuerzahler) ist...

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  2. Kard. Marx hat sich angreifbar gemacht. Mit seiner Stellungsnahme gegen das Kreuz hat er nun den Anlaß gegeben, angegriffen zu werden.

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  3. Das passt schon,
    schließlich fallen seine privaten Wohnverhältnisse
    auch nicht gerade unter "sozialen Wohnungsbau".

    Man lese
    https://www.heise.de/tp/features/Marx-predigt-Wasser-und-saeuft-Wein-3679342.html?seite=all

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    1. Das ist mal wieder nur der Neid
      der katholischen Habenichtse!
      Viele Tradis nörgeln nur rum, anstatt schlauerweise
      in den Kirchendienst einzutreten, bei bester Bezahlung.

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  4. @Arminius
    Nemrod meint: wieso jetzt angreifbar gemacht? Marx ist ein eiskalter Karrierist, der immer drauf aus ist dem jeweiligen Mainstream nach dem Munde zu sprechen.... damals in Trier den Konservativen zu geben, um Rom zu gefallen. Jetzt ist in Rom "linkes Denken" en Vogue, da macht der Marx halt auf links modern. Eine Kirche mit solchen "Kirchenfürsten" hat halt auf Niedergangsmodus geschaltet. Das Einzige, was diese deutsche Institution noch am Leben hält sind die üppig fließenden Kirchensteuermittel. Und wenn S.E: jetzt seinen Kreuzesreden ehrliche Taten folgen lassen würde, so müsste er zu allererst aus seinen "Protz"palais in München ausziehen (wird immerhin von Bayern gestellt), dann auf das fürstliche Gehalt (ebenfalls vom Freistaat) und last but not least....die Herren Bischöfe sollten sich mal bei Papa Franz in Rom erkundigen, ob nicht das Konkordat gekündigt werden könnte...soviel Finanzmittel vom Staat...eigentlich unanständig.....

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  5. Das habe ich auch nicht begriffen, wozu man unbedingt
    so viele Millionen für eine Unterkunft in Rom ausgeben
    muss, wo es doch zahlreiche von Nonnen geführte Gästehäuser gibt, die auf die Einnahmen angewiesen sind. Ein teuerer Egoismus!

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  6. Kirchenmäuserich30. April 2018 um 15:07

    Die Begründung für die Notwendigkeit des Gästehauses
    ist an den Haaren herbeigezogen.
    Es ist einfach nur traurig, wie die Kirche mit dem Geld
    der Kirchensteuerzahler um sich wirft.
    Wenn es aber um einzelne Pfarrgemeinden geht und um ganz
    geringe Beträge, dann wird ein Riesenaufstand gemacht.
    Papst Benedikt hatte schon recht:
    Die größten Feinde der Kirche kommen nicht von außen
    sondern von innen!

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  7. Ich wundere mich über die provozierende Frauenfeindlichkeit des Kreuzknappen. An mindestens drei Stellen seines Marx-kritischen Artikels betont er, wie einfach es sei, alternativ bei irgendwelchen "Schwestern" unterzukommen. Warum Schwestern, gibt es etwa keine von männl. Gemeinschaften betriebenen Gästehäuser? Oder sind die teurer? Merkt der Knappe denn nicht, wie er damit der Ausbeutung unbezahlter weiblicher Arbeit das Wort redet? Erst kürzlich haben sich verschiedene Organisationen weiblicher Ordensgemeinschaften gegen solche Praktiken und Klischees verwahrt.

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    1. Sind Sie sicher, Jorge,
      dass Sie meinen Artikel gelesen haben?

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  8. Für 110,- Euro pro Nacht ist die Buchung dort
    nicht gerade das, was man ein Schnäppchen nennen würde.
    Anderswo kommt man für deutlich weniger unter.

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  9. Charlene: Immerhin stellt das Gästehaus in Rom einen Gegenwert dar. Das Geld wurde angelegt, vermutlich nicht mal schlecht. Es gibt da auch ein Bistum, das eine deutlich höhere Summe einfach so versenkt. Das Geld ist futsch. Einen Namen nenne ich mal nicht, nur einen Tipp gebe ich: Der Ortsbischof gilt als glaubenstreu. LG. Charlene

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  10. Heribert Neumann30. April 2018 um 19:32

    Für die Flüchtlingsarbeit hatte das Erzbistum München
    ganze fünf Millionen Euro übrig, und für dieses
    Gästehaus 15 Millionen.
    Das sagt alles.

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  11. Von Frauenfeindlichkeit lese ich als Frau nichts in dem Beitrag.
    Ich halte die 15 Millionen mal wieder für gnadenlos übertrieben. Will sagen: Ich zweifle nicht die Summe an, sondern die tatsächliche Notwendigkeit. Natürlich kenne ich die qm-Zahl nicht, aber die Summe scheint mir doch arg hoch gegriffen. Wer weiß, welche Taschen da womöglich neben den Bauarbeiten gefüllt wurden. Gibt es nicht sowas wie ein Rechnungsprüfungsausschuß?

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