Mittwoch, 18. April 2018

Zeitung regt sich auf, weil in der Betzdorfer Kirche der Priestersitz jetzt richtig steht!

Betzdorf an der Sieg
(---> HIER !) im Norden von Rheinland-Pfalz (Bistum Trier) ist geschichtlich als Eisenbah-
ner-Städtchen bekannt. Heutzutage kann man aller-
dings dort auch bekannt werden, wenn man als katholischer Pfarrer korrekt handelt:
Eine örtliche Zeitung gab nämlich kürzlich regelrechten Schnappatmungsalarm, weil der Pfarrer von St. Ignatius es gewagt hatte, die Position des Priestersitzes im Altarraum endlich an die geltenden Richtlinien der Kirche anzupassen.
Diese besagen, dass der Priestersitz so auszurichten ist, dass der Leiter des Gottesdienstes sowohl auf den Tabernakel schauen kann als auch auf die mitfeiernde Gemeinde. - Wenn der Sitz jedoch so steht, dass der Priester dem Herrn des Hauses, also Jesus Christus im Tabernakel, den priesterlichen Allerwertesten zuwendet, dann ist das verwerflich und zu ändern.

So weit, so gut, und das leuchtet eigentlich auch fast jedem ein, aber eben nur fast jedem. Denn es gibt immer welche, die etwas zu meckern haben - und sei es auch eine Mitarbeiterin der Zeitung.
Etwas vereinfacht gesagt: Der Pfarrgemeinderat hat viele Rechte, und das ist auch gut so, jedoch die Entscheidung über spezielle liturgische Fragen und festgelegte Richtlinien der Gesamtkirche steht ihm nicht zu.
Man fragt sich als Außenstehender also, was wirklich hinter dieser Stimmungsmache gegen den dortigen Pastor steckt...

Man schaue ---> HIER und HIER und HIER und HIER !
Im Pfarrbrief hat der angegriffene Pfarrer bereits dazu kurz erklärt,
dass der Artikel der Zeitung "übertrieben" ist und dass es eine Frage der Ehrfurcht ist, Christus nicht den Rücken zuzuwenden. Und dann weist er darauf hin, dass der ganze Presse-Aufreger darauf fußt, dass der Priester-
sitz um gerade mal einen Meter (!) verschoben wurde...

Kommentare:

  1. ein Priester (76 Jahre)18. April 2018 um 19:18

    Ich vermute, der "Kreuzknappe" liegt ganz richtig mit seinem
    Verdacht, dass da etwas anderes dahintersteckt.
    Wenn PGR-Mitglieder in einigen Punkten mit dem Pfarrer bzw.
    mit der Zusammenarbeit unzufrieden sind, dann sollten sie
    das gefälligst nicht über die Lokalzeitung aufplustern!
    Als Christen reden wir miteinander, nicht übereinander.
    Für das Vorgehen der Zeitung habe ich aber auch keinerlei
    Verständnis.

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    1. Nicht richtig liegt der Kreuzknappe m. E. aber damit, dass der Priestersitz bei der Messe so auszurichten sei, dass der Leiter des Gottesdienstes (auch) auf den Tabernakel schauen könne. Davon ist nirgends in den kirchlichen Richtlinien die Rede – weder in der derzeit (noch) geltenden älteren Fassung der „Allgemeinen Einführung in das Römische Messbuch (AEM) noch in deren geplanter erweiterter und überarbeiteter Neuauflage namens „Grundordnung der römischen Messfeier“ (GRM).

      In der von der DBK schon vorab publizierten GRM heißt es allerdings unter Punkt 310: „Der Sitz des zelebrierenden Priesters muss dessen Amt, der Versammlung vorzustehen und das Gebet zu leiten, anzeigen. Besonders geeignet ist darum für ihn der Platz im Scheitelpunkt des Altarraumes, dem Volk zugewandt, sofern nicht die Gestalt des Gotteshauses oder andere Umstände dagegen sprechen, zum Beispiel wenn eine allzu große Entfernung die Kommunikation zwischen Priester und versammelter Gemeinschaft erschwert oder wenn der Tabernakel in der Mitte hinter dem Altar steht.“

      In diesem Sinne heißt es auch in Leitlinien der österreichischen Diözese Gurk: „Falls … der Tabernakel des vorhandenen alten Hochaltars als Aufbewahrungsort der Eucharistie fungiert, sollte der Priestersitz nicht im Scheitelpunkt des Altarraumes stehen.“ Oder in Richtlinien des Bistums Regensburg, hier sogar mit „ist“ statt „sollte“: „Falls der Tabernakel im alten Hochaltar ist, bleibt er dort. Der Vorstehersitz ist dann etwas aus der Mitte zu nehmen.“

      Es geht in solchem Fall wohl darum, dass der betende und verkündende priesterliche Vorsteher, und das mir Rücken zum Tabernakel, dem ebenfalls im Scheitelpunkt befindlichen Christus nicht „in die Quere“ kommt, ihn quasi „verdrängt“ bzw. „unhöflich“ ihm gegenüber wirkt. Nicht hingegen geht es um ein „Anschauen“ des Tabernakels durch den Priester.

      Wenn der Betzdorfer Priester also die Position des Priestersitzes leicht verändert, passt er dessen Position nicht an die (noch) geltenden kirchlichen Richtlinien an (die dazu ja gar nichts sagen), sondern – durchaus begründbar – „vorausgreifend“ den geplanten neugefassten Richtlinien. Insofern ist sein Verhalten korrekt.


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    2. siehe hier:
      http://www.pfarrbriefservice.de/file/der-priestersitz-ein-besonderer-platz

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    3. Ich habe mich in meinem Kommentar ausschließlich auf die vorhandenen bzw. eben (noch) nicht vorhandenen kirchlichen Richtlinien bezogen, weil der Kreuzknappe im Artikel fordert, „die Position des Priestersitzes im Altarraum endlich an die geltenden Richtlinien der Kirche anzupassen“.

      Hingegen geht es in dem Artikel (Pfarrbriefservice), den der Kreuzknappe als Antwort auf meinen Kommentar bringt, nicht um diesbezügliche kirchliche Richtlinien, sondern um subjektive Wünsche/Anregungen des Autors, eines Pfarrers – bis hin zu der Aussage, dass „die Aufstellung des Sitzes im 90-Grad-Winkel zur Gemeinde“ sinnvoll sei. Das steht nirgendwo in den aktuellen oder den geplanten kirchlichen Richtlinien, genauso wenig wie Folgendes zum Verhalten des Priesters am Priestersitz:

      „Andererseits singt der zelebrierende Priester an diesem Ort den Christusruf „Kyrie eleison“ und er spricht auch das Tages- und Schlussgebet. Das heißt, der Zelebrant spricht im Namen der Kirche Gott an. Darum wird auf Blickkontakt mit der Gemeinde sinnvollerweise verzichtet. Da man sich gemeinsam auf den angesprochenen Herrn ausrichtet, blickt man zum Altar oder zum Kreuz.“

      Mal ganz praktisch gefragt: Wie soll ein Priester, der das Gebet aus dem Messbuch vorträgt, gleichzeitig zum Altar/Kreuz blicken können? Zudem geht es in diesen Sätzen bzgl. „Gott“, „Herr“, „Christus“ munter durcheinander. Klar, das Kyrie richtet sich an den „Herrn Christus“. Aber im Tages- und Schlussgebet wird so gut wie nie „der Herr“ (gemeint ist Christus) angesprochen, sondern so gut wie immer „Gott“, gemeint ist „Gott der Vater“ (auch wenn die Schlussformel „durch Jesus Christus“ lautet) – wieso dann bei Gebet an „Gott den Vater“ der Blick auf den Altar/das Kreuz?

      Der (auch aus meiner Sicht unangebrachte) Blickkontakt zur Gemeinde beim Gebet wird schon dadurch vermieden, dass der Priester aus dem Messbuch „abliest“ – bzw. er kann es, sollte er mal „auswendig gelernt“ oder frei formuliert beten, z. B. mit gesenktem Blick oder/und geschlossenen Augen tun.


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  2. Diözesaner Bürohengst18. April 2018 um 19:43

    Warum wollen ein paar PGR-Mitglieder mit aller Gewalt
    darüber bestimmmen, wo der Priestersitz hingehört?
    Die Richtlinien sprechen eine klare Sprache, da ist keinerlei
    Spielraum - der Priester DARF nicht mit dem Rücken zum Taber-
    nakel sitzen, und aus die Maus!
    Ob das in Betzdorf auch so ist, weiß ich natürlich nicht,
    aber ich habe auch schon PGR-Mitglieder erlebt und erlitten,
    die den Konflikt regelrecht gesucht haben.
    Dass man solche Dissonanzen dann auch noch an die Zeitung
    gibt, ist für mein Verständnis unterste Schublade!

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    1. Der Herr Pfarrer hätte die Stuhlfrage im Stuhlkreis des Pfarrgemeinderates zur Abstimmung bringen müssen oder so ähnlich ...

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  3. Was für eine traurige Sache!
    Ich habe solche Pfarrgemeinderäte auch schon zur Genüge
    erlebt, die sich unheimlich wichtig vorkommen und dem
    Pfarrer Knüppel zwischen die Beine werfen.
    Hier müsste der Bischof Flagge zeigen und diesen Herrschaften
    mal gehörig den Marsch blasen !

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  4. Der Pfarrgemeinderat von Betzdorf ist,
    falls das wirklich so stimmt, bei dieser Stuhlprobe
    durchgefallen.
    Ob der zuständige Pfarrer in dieser Angelegenheit immer
    ganz klug und diplomatisch mit diesem gewählten Stuhlkreis
    umgegangen ist, das steht auf einem anderen Blatt.

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  5. Pfarrer Daigeler (LINK Nr.2) erklärt es wie immer stimmig und nachvollziehbar: "Wenn ich Sie anschaue und sage: "Allmächtiger Gott..." (youtube -video zur LIturgie) - den Rest kann jeder vernünftige Mensch doch ergänzen, oder? Deshalb ist es doch ideal, wenn der Priestersitz so steht, dass der Priester sich beim Gebet dem Kreuz oder Altar, bei der Ansprache an die Gläubigen der Gemeinde zuwenden kann - welcher Pfarrgemeinderat sieht so etwas nicht ein? Pfarrer Daigeler vermittelt so etwas seinen Pfarrgemeinden allerdings auch sehr gut...vielleicht sollte man sich weniger auf ein "das MUSS so sein, weil es vorgeschrieben ist" als auf eine schlüssige Erklärung berufen. Pfarrer Daigeler macht das jedenfalls immer, so dass vielen der Sinn vieler Traditionen erst bewusst wird...

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  6. Dass der PGR Betzdorf sich derart aufführt, erfüllt mich
    mit Trauer und Scham.
    Man stelle sich nur mal vor, eine Gesellschaft hat einen
    ganz besonders wichtigen Redner eingeladen, und der Ver-
    sammlungsleiter würde in der ersten Reihe sitzen, den
    Stuhl so gestellt, dass er dem prominenten Redner den
    Rücken zudreht. Absurd! Aber mit unserem Herrn und Er-
    löser Jesus Christus glaubt man das machen zu müssen.
    Für mich wäre die logische Konsequenz der freiwillige und
    möglichst baldige Rücktritt der betreffenden PGR-Leute!

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  7. vielleicht ein Betzdorfer19. April 2018 um 19:41

    Meines Wissens nach ist es dem PGR Betzdorf vollkommen egal, wo der Priester seinen Stuhl hinstellt.
    Im verlinkten Artikel der Rheinzeitung steht, dies meiner bescheidenen Meinung nach, eigentlich auch so.

    So wie ich das lese, stellt die Zeitung zunächst einmal fest: Zitat aus dem Beilageblatt. "Die Gemeinde könne diese Veränderung gerne mitberaten, ruft Pastor Mohr am Ende der Ausführungen zum Dialog auf."

    Anschließend stellt die Zeitung fest, dass der PGR nicht informiert wurde, Zitat: "„Wir haben davon durch die Beilage in der Gottesdienstordnung erfahren“.

    Danach wirft die Zeitung die Frage auf, wer denn nun mitberaten soll, also wer ist "Gemeinde": Zitat: "Dies verwundert, denn der Pfarrgemeinderat ist das von den Mitgliedern der Pfarrei gewählte Sprachrohr der Gemeinde. ... Mit wem möchte Pastor Mohr und das Seelsorgeteam, ... den Dialog denn führen?

    Am Ende des Artikels steht dann der PGR ja sogar noch mal zitiert, sie "möchten mithelfen, die Synode des Bistums Trier vor Ort umzusetzen und auf die verschiedenen Charismen vertrauen, die jeder gewinnbringend in unsere Gemeinde einbringt." Also die Umsetzung der Synode ganz im Sinne des Bischofs.

    Woher haben denn die hier schreibenden und den PGR kritisierenden ihre Informationen? :-)

    Übrigens stehen im Dom zu Trier, also dem Bischofsitz, die Stühle auch so, wie sie in Betzdorf standen :-)

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e2/Trier_Dom_BW_5.JPG

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    1. Alle sollen Eins sein19. April 2018 um 21:38

      Da ich mich durch Bekannte über diesen Kindergarten in Betzdorf habe informieren lassen, so ist es nicht der gesamte Pfarrgemeinderat, sondern nur Einzelpersonen, die die Sache "anheizen". Allerdings verstecken sich diese dann hinter dem Begriff PGR und schaden so den Mitgliedern, die vielleicht eine ganz andere Meinung dazu haben. Ist der Ruf aber nun mal geschädigt, so ist es manchmal schwer, den Schaden zu reparieren. Und alles auf die Synodenschiene zu schieben bringt nichts. Funktionierende Strukturen in gut katholischen Pfarrgemeinden werden durch die Synode des Bischofs zerstört. Gemeinden, in den es auch in den nächsten 15 bis 20 Jahren (mit volkskirchlicher Prägung) funktioniert, wird ein System aufgedrückt, dass vielen Menschen vor den Kopf stößt. Aus einem vielfältigen Bistum wird nun ein Einheitsbrei. Irgendwie kommt mir das doch mit dem Einheitsstaat äh -brei bekannt vor ;-)
      Und natürlich steht die Kathedra eines Bischofs im Scheitelpunkt des Chorraums. Denn in den Bischofskirchen befindet sich das Allerheiligste in einer Sakramentskapelle. Allerdings gibt es auch hier ausnahmen: siehe Kölner Dom. Wobei hier der Dreikönigsschrein in der Mitte steht:-)

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    2. Na, das nenne ich aber einen dreisten Versuch,
      von der Peinlichkeit des PGR abzulenken!
      Was ist von einem PGR zu halten, der wegen solch einer
      relativen Kleinigkeit die Presse gegen den eigenen
      Pfarrer aufbringt?
      Ob der Pfarrer besser informieren sollte, darüber kann
      man streiten. Aber es ist schon ungezogen, deswegen
      öffentlich gegen ihn aufzutreten.
      So etwas gehört in ein internes Gespräch und in den
      PGR selbst; so aber hat der PGR die Vertrauensbasis
      zerstört. Ein Rücktritt ist erforderlich!

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